Bewohner leiden unter Pflegeheim-Aus
Die Nachricht hat für Aufregung gesorgt: Weil der Betreiber insolvent ist, schließen in Bad Nauheim Ende August kurzfristig drei Pflegeheime. Wo die 113 Bewohner stattdessen unterkommen, ist noch völlig unklar. Wir haben vergangene Woche darüber berichtet. Die betroffenen Häuser sind keine klassischen Seniorenheime, sondern Einrichtungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen – die Pfleger dort entsprechend geschult. Heißt: In der Umgebung von Bad Nauheim etwas Vergleichbares zu finden, ist praktisch unmöglich. Für die Betroffenen eine Katastrophe.
So richtig verdaut hat Harald Stipp-Lass die Nachricht noch nicht. Seit über zehn Jahren betreut er Herrn B., der seit 23 Jahren im Haus Christa wohnt. Hier kennt der psychisch schwer kranke Mann die Pfleger und hat Mitbewohner als Freunde gewonnen. Drehen können wir mit ihm nicht. Harald Stipp-Lass erzählt uns von ihm.
Harald Stipp-Lass, Berufsbetreuer
„Er ist einfach verschlossen und sagt: ‚Ich will hier nicht weg. Ich will aus der Gegend nicht weg, meine Eltern wohnen in der Nähe.‘ Die auch älter sind und nicht unbedingt am Wochenende 100 / 200 Kilometer fahren können, um ihn zu besuchen. Er möchte in der Gegend bleiben, aber hier gibt es keine vergleichbaren Einrichtungen.“
Stella Syndicus ist Fachärztin für Psychiatrie in Butzbach. Seit fünf Jahren betreut und therapiert sie über 40 Bewohner in Bad Nauheim.
Dr. Stella E. Syndicus, Fachärztin für Psychiatrie
„Ich habe einige Patienten, bei denen ich mir große Sorgen mache und bei denen ich denke, dadurch, dass Episoden von psychotischer Entgleisung oder auch Manie noch nicht lange zurückliegen, dass die mit so einem Umzug massiv überfordert wären und dass es wirklich zu akuter Eigengefährdung auch führen könnte, wenn man die jetzt zwingen würde, den bekannten Rahmen zu verlassen.“
Im Notfall will sie mit Attesten erreichen, dass ihre Patienten mehr Zeit für einen Umzug bekommen.
Stand jetzt sollen die Häuser Regina, Christa und Württemberg zum 31. August schließen. Der Grund: Ihr Betreiber, eine Tochter-Gesellschaft der Dorea-Gruppe, ist insolvent. Nach eigenen Angaben vor allem, weil die Personal- und Energiekosten massiv gestiegen sind. Die Bewohner seien telefonisch informiert worden.
Harald Stipp-Lass und sein Kollege Eberhard Zilg wissen davon nichts.
Eberhard Zilg, Berufsbetreuer
„Es ist traurig, dass die Bewohner einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden und wir als die gesetzlichen Betreuer ebenso nicht informiert sind. Wir wissen nicht, was wir tun können oder tun müssen, alles hüllt sich in Schweigen.“
Für den Sozialverband VdK ist der Fall ein eindrückliches Beispiel für die Gefahren, die die zunehmende Privatisierung in der Pflegebranche mit sich bringt.
Philipp Stielow, Sozialverband VdK Hessen-Thüringen
„Ganz grundsätzlich braucht es einen Paradigmenwechsel. Facharztpraxen, Pflegeheime, Krankenhäuser, die müssen in kommunale Trägerschaft. Die Kommune muss hier genau wissen, was vor Ort passiert und wir dürfen uns nicht irgendwelchen Investoren ausliefern.“
Für die Schützlinge von Harald Stipp-Lass und Eberhard Zilg kommt diese Forderung zu spät. Sie sind davon abhängig, dass die Dorea-Gruppe für sie schnellstmöglich ein neues Zuhause findet.
So richtig verdaut hat Harald Stipp-Lass die Nachricht noch nicht. Seit über zehn Jahren betreut er Herrn B., der seit 23 Jahren im Haus Christa wohnt. Hier kennt der psychisch schwer kranke Mann die Pfleger und hat Mitbewohner als Freunde gewonnen. Drehen können wir mit ihm nicht. Harald Stipp-Lass erzählt uns von ihm.
Harald Stipp-Lass, Berufsbetreuer
„Er ist einfach verschlossen und sagt: ‚Ich will hier nicht weg. Ich will aus der Gegend nicht weg, meine Eltern wohnen in der Nähe.‘ Die auch älter sind und nicht unbedingt am Wochenende 100 / 200 Kilometer fahren können, um ihn zu besuchen. Er möchte in der Gegend bleiben, aber hier gibt es keine vergleichbaren Einrichtungen.“
Stella Syndicus ist Fachärztin für Psychiatrie in Butzbach. Seit fünf Jahren betreut und therapiert sie über 40 Bewohner in Bad Nauheim.
Dr. Stella E. Syndicus, Fachärztin für Psychiatrie
„Ich habe einige Patienten, bei denen ich mir große Sorgen mache und bei denen ich denke, dadurch, dass Episoden von psychotischer Entgleisung oder auch Manie noch nicht lange zurückliegen, dass die mit so einem Umzug massiv überfordert wären und dass es wirklich zu akuter Eigengefährdung auch führen könnte, wenn man die jetzt zwingen würde, den bekannten Rahmen zu verlassen.“
Im Notfall will sie mit Attesten erreichen, dass ihre Patienten mehr Zeit für einen Umzug bekommen.
Stand jetzt sollen die Häuser Regina, Christa und Württemberg zum 31. August schließen. Der Grund: Ihr Betreiber, eine Tochter-Gesellschaft der Dorea-Gruppe, ist insolvent. Nach eigenen Angaben vor allem, weil die Personal- und Energiekosten massiv gestiegen sind. Die Bewohner seien telefonisch informiert worden.
Harald Stipp-Lass und sein Kollege Eberhard Zilg wissen davon nichts.
Eberhard Zilg, Berufsbetreuer
„Es ist traurig, dass die Bewohner einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden und wir als die gesetzlichen Betreuer ebenso nicht informiert sind. Wir wissen nicht, was wir tun können oder tun müssen, alles hüllt sich in Schweigen.“
Für den Sozialverband VdK ist der Fall ein eindrückliches Beispiel für die Gefahren, die die zunehmende Privatisierung in der Pflegebranche mit sich bringt.
Philipp Stielow, Sozialverband VdK Hessen-Thüringen
„Ganz grundsätzlich braucht es einen Paradigmenwechsel. Facharztpraxen, Pflegeheime, Krankenhäuser, die müssen in kommunale Trägerschaft. Die Kommune muss hier genau wissen, was vor Ort passiert und wir dürfen uns nicht irgendwelchen Investoren ausliefern.“
Für die Schützlinge von Harald Stipp-Lass und Eberhard Zilg kommt diese Forderung zu spät. Sie sind davon abhängig, dass die Dorea-Gruppe für sie schnellstmöglich ein neues Zuhause findet.









