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Verteidigungsminister Pistorius zu Gast in Frankfurt

Aug. 1, 2023

In unsicheren Zeiten wie diesen ist er um seinen Job nicht zu beneiden. Dabei gilt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius als derzeit wohl beliebtester deutscher Politiker, der gerade angesichts des Kriegs in der Ukraine Klartext spricht. So wie bei seinem kurzen Besuch in Frankfurt.
 
Immer geradeaus. Dieses Bild vermittelt Boris Pistorius gestern Abend in der Mainmetropole und wird dafür warm empfangen. Er gibt sich volksnah, der passende Titel der Veranstaltung: Hofgespräch. Er beantwortet Fragen der rund 200 Gäste, spricht ganz offen und vor allem verständlich etwa über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.

Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister
„Jeder, der der Ukraine heute empfiehlt: Jetzt hör mal auf da, du musst jetzt mal nachgeben, damit der Krieg aufhört – dem sage ich: Was würden wir denn wohl sagen? Wie würden wir uns denn wohl verhalten in so einer Situation? Wir sollen für Frieden sorgen, weil unser Territorium besetzt wurde?“

Ein Thema, das den Bundesverteidigungsminister rund um die Uhr beschäftigt. Gerade kommt er aus dem nordrheinwestfälischen Rheinbach, wo er sich wenige Stunden zuvor das Cyber-Zentrum der Bundeswehr angesehen hat. Der Krieg in der Ukraine verdeutliche, dass modernste Technik immer wichtiger werde. Boris Pistorius zeigt sich seit seinem Amtsantritt emsig, angesichts seiner Umfragewerte findet selbst die Opposition in Berlin nur wenig Anlass zur Kritik. Etwa, ob die jüngst angekündigte Verlegung von 4.000 Bundeswehrsoldaten an die Nato-Ostflanke wirklich umsetzbar ist. Kritik kontert der Verteidigungsminister.

Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister
„Soweit die Infrastruktur für eine Brigade in Litauen vorhanden ist in dem Maße, werden wir die Brigade aufwachsen lassen. Dass kann 2026 oder 27 sein, das hängt im wesentlich davon ab, wie’s in Litauen aussieht. Und dann ist das auch leistbar.“

Hier bei der Frankfurter SPD finden die Besucher ohnehin nur positive Worte über den Minister.

Kurt Müller, SPD Obertshausen
„Viel besser, als viele seiner Vorgänger. Natürlich ist noch Luft nach oben, aber bislang hat er seinen Job gut gemacht.“

Petra Rossbrey, Präsidentin AWO Frankfurt
„Er redet Klartext. Er macht den Eindruck oder er ist in den Themen und Problemen drin. Und deshalb vertrauen ihm viele Leute, dass er die richtigen Lösungen findet.“

Jürgen Kaltwasser, Vorsitzender SPD Bensheim
„Für meine Begriffe das beste Pferd im Stall der Bundesregierung. Und vor allem: Er kann seine Politik erklären.“

Seine Politik erklären können, damit dürfte Boris Pistorius einigen Kollegen in der zuletzt arg kritisierten Bundesregierung etwas voraushaben. Klartext und Volksnähe stehen auch den restlichen Abend im Vordergrund: Zunächst sagt der Verteidigungsminister deutlich, das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr würde bei weitem nicht ausreichen. Am Ende nimmt er sich ausführlich Zeit und kommt jedem der unzähligen Selfie-Wünsche nach.