Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Renaturierung der Nahe-Auen

Juli 20, 2023

In Bretzenheim im Kreis Bad Kreuznach wurde vor einigen Jahren der Deich zurückgebaut, um mehr Raum für Gewässer, Tiere und Pflanzen zu schaffen. Die Entwicklung der dadurch frei gewordenen Fläche schauten sich diese Woche die Bundesumwelt-Ministerin Steffi Lemke und ihre rheinland-pfälzische Amtskollegin Katrin Eder an.
Zu Wasser, zu Land und in der Luft. Die 50 Hektar Auenlandschaft an der Nahe bei Bretzenheim sind mittlerweile zum Lebensraum zahlreicher Tierarten und Pflanzen geworden. Und wo vorher Ackerbau betrieben wurde, finden sich heute große Gräserflächen, die als Rückhalteraum für Wassermassen dienen. Für Bundesumweltministerin Steffi Lemke ein Musterbeispiel für die Vereinbarkeit von Hochwasservorsorge und Naturschutz.

Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesumweltministerin
„Das Klima in Deutschland, Europa und weltweit verändert sich. Das heißt, wir haben mehr Starkregenereignisse. Mehr Regen in kürzerer Zeit und darauf sind unsere Systeme, unsere Städte aber auch teilweise die Natur nicht ausgerichtet. Deshalb betreiben wir Hochwasserschutz. Und deshalb betreiben wir aber auch Naturschutz. Denn eine Aue kann sehr viel Wasser aufnehmen und damit gleichzeitig gegen Hochwasser und gegen Dürre Vorsorge treffen.“
Als Teilmaßnahme des Nationalen Hochwasserschutzprogramms wurden teils in den 30er-Jahren angelegte Deiche über eine Strecke von mehr als einem Kilometer, wie hier, durch Absenkungen geöffnet. Das Ziel: der Nahe mehr Raum geben.
Michael Lunkenheimer, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd
„Ursprünglich war hier in diesem Bereich ein kleines Nadelöhr. Die beiden linksseitigen und rechtsseitigen Nahe-Deiche waren sehr nahe beieinander. Dadurch musste viel Wasser durch eine kleine Fläche fließen. Und dadurch hat sich der Wasserspiegel sehr stark erhöht und ging fast bis an die Krone der Deiche bei einem hundertjährlichen Hochwasser. Mittlerweile ist hier eine Entschärfung geschaffen worden. Man hat einen Deich hier geöffnet, dadurch kann sich das Wasser praktisch verteilen.“
In Rheinland-Pfalz gibt es insgesamt 25 Hochwasserparnterschaften. Hier treffen sich kommunale Vetreter, Behörden, Verbände und Wirtschaftsunternehmen, um gemeinsam und länderübergreifend Konzepte zur Hochwasservorsorge zu entwickeln.
Katrin Eder (Bündnis 90/Die Grünen), Umweltministerin Rheinland-Pfalz
„Das hat was mit Pegeln zu tun, das kann aber auch mit natürlichem Rückhalt sein, das kann Deiche sein, das kann Gewässerunterhaltung sein. Also die komplette Bandbreite von Hochwasserrisikomanagement wird doch besprochen, eben gemeinschaftlich und häufig auch Maßnahmen daraus entwickelt.“
In Zusammenarbeit mit den Kommunen prüfe das Land derzeit, wo weitere Deiche entlang der Nahe zurückverlegt werden könnten. Denn Naturschutzgebiete wie bei Bretzenheim hätten noch einen weiteren Pluspunkt. Als natürlicher CO2-Speicher und Wärmeregulierer schonten sie nicht nur das Klima und schützten vor Hochwasser, der neue geschaffene Naturraum diene hier mittlerweile auch als beliebtes Naherholungsgebiet.