Sommerinterview mit Gordon Schnieder (CDU)
Der CDU-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag stellt sich den Fragen von Markus Appelmann.
Markus Appelmann, Moderator: Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Sommerinterviews in 17:30 Sat.1 live. Wir melden uns mal wieder von der Dachterrasse auf dem Mainzer Lerchenberg und da begrüßen wir heute einen Mann, der zum ersten Mal in den Sommerinterviews ist und der vor kurzem noch gesagt hat: “Fraktionsvorsitzender war nie mein Lebensziel.” Jetzt ist er Fraktionsvorsitzender der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag. Gordon Schnieder, ich grüße Sie.
Gordon Schnieder (CDU), Fraktionsvorsitzender Rheinland-Pfalz: Herr Appelmann, ich grüße Sie auch. Danke, dass ich hier sein darf.
Appelmann: Herr Schneider, ich habe es gerade eben gesagt, Ihre Planung der letzten Monate war sicherlich eine andere und dann wurden Sie Fraktionsvorsitzender. Was bedeutet das denn für Ihre Work-Life-Balance? Und was sagt Ihre Familie in der Eifel zum neuen Job?
Schnieder: Ja, ich habe mich ja sehr früh auch mit meiner Familie ausgetauscht, als dann, sagen wir mal, das Los auf mich gefallen war. Das geht auch nur in einer gegenseitigen Absprache und ich bin meiner Frau sehr dankbar, die mir natürlich zu Hause den Rücken freihält. Wir haben noch zwei kleinere Kinder, die müssen auch versorgt werden, und natürlich sind ganz andere Terminlagen jetzt dazugekommen. Wir haben uns zu Hause ausgemacht, wenn das machbar ist, ein Wochenende im Monat frei zu haben und an den anderen Wochenenden möglichst einen Samstag oder einen Sonntag. Das gelingt nicht immer, aber da muss man miteinander reden, und dann klappt das auch.
Appelmann: Da muss man miteinander reden – das tun wir jetzt auch. Sie sind 100 Tage Fraktionsvorsitzender. Viele kennen Sie schon, aber nicht alle. Deswegen stellen wir unseren Gast des Tages noch einmal kurz und kompakt vor.
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Gordon Schnieder wird in Trier geboren. Er arbeitet in der Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen, bevor er in die Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm wechselt. Seit 2016 sitzt er für die CDU im Mainzer Landtag. Dort macht er seitdem Karriere. Seine Wahl zum Generalsekretär der Landes-CDU verläuft noch harmonisch, doch der folgende Karriereschritt kommt mit einem Knall. Zwei Tage vor Weihnachten kündigt Christian Baldauf seinen Rücktritt als Fraktionschef an. Interne Kritik hat ihn zum Aufgeben gezwungen. Sein bisheriger Vize Gordon Schnieder folgt ihm als Fraktionsvorsitzender nach. Faktisch lebt die rheinland-pfälzische CDU seitdem mit einer Doppelspitze von Parteichef Baldauf und Fraktionschef Schnieder.
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Appelmann: Ja, Herr Schneider, lassen Sie uns direkt einsteigen. Wenn Christian Baldauf als Fraktionsvorsitzender nicht mehr die erste Wahl war, kann er es dann als Landesvorsitzender noch sein?
Schnieder: Ja, er macht einen guten Job, er ist gewählt. Wir haben erst 2024 den regulären Wahlparteitag. Der Landesvorstand hat Anfang Januar ihn auch gebeten, dieses Amt weiterzuführen und er macht da eine gute Arbeit.
Appelmann: Dann mal andersrum gefragt: Haben Sie Interesse, Landesvorsitzender zu werden?
Schnieder: Also die Frage stellt sich derzeit nicht. Noch mal: Wir haben regulären Parteitag im Jahr 2024, wahrscheinlich nach der Europa- und Kommunalwahl. Ich bin Generalsekretär, wir arbeiten allein da schon sehr eng und sehr ordentlich und gut zusammen, und von daher läuft das.
Appelmann: Sie haben es eben gesagt: Nach der Europa- und Kommunalwahl wohl, also erst im Sommer. Im Juni findet ja die Wahl statt. Muss nicht der Wähler Klarheit haben, wer Landesvorsitzender wird, damit er sein Kreuz richtig macht?
Schnieder: Also das Kreuz, auf das Sie anspielen, ist wahrscheinlich das Kreuz im März 2026 und da haben wir noch eine ganz lange Vorlaufzeit. Und deswegen passt das zweite Halbjahr 2024 gut.
Appelmann: Bei der Kommunalwahl, Das Kreuz meinte ich eigentlich. Da wollen Sie doch auch gut abschneiden.
Schnieder: Ja, da werden wir auch gut abschneiden, weil wir auch da gemeinschaftlich – ich als Generalsekretär und der Christian Baldauf als Landesvorsitzender – jetzt auf dem letzten Parteitag unser Kommunalwahlprogramm vorgestellt haben, unsere Werbelinie und wie wir die Leute mitnehmen.
Appelmann: Okay, aber vorher wird es da keine Aussage zum Landesvorsitz geben, vor dieser Wahl im Juni 2024?
Schnieder: Die wird es nicht geben, weil sich die Frage bis dahin nicht stellt.
Appelmann: Okay. Bei den Kommunalwahlen ist die CDU stark, das muss man sagen – im Land eher nicht. Seit über drei Jahrzehnten sind Sie auf den harten Oppositionsbänken unterwegs. Und das, obwohl die SPD-geführte Landesregierung so einige Stolpersteine im Weg hatte. Die Nürburgring-Affäre, der insolvente Flughafen Hahn, das Management der Flutkatastrophe und und und. Warum hat die CDU die Regierung um Malu Dreyer trotzdem nie nachhaltig erschüttern können?
Schnieder: Es ist müßig, in die letzten 30 Jahre zurückzuschauen. Die Oppositionsbänke sind hart. Wir waren auch mal nah dran. Das war nach der Nürburgring-Affäre im Jahr 2011. Ich glaube, da haben 6.000 Stimmen gefehlt. Da kam Fukushima dazwischen. 2016 hatten wir auch wieder andere Problemlagen. Man muss auch selbstkritisch zurückschauen. Wir haben auch nicht immer alles richtig gemacht, sonst hätten wir wahrscheinlich andere Ergebnisse auch eingefahren. Aber jetzt geht der Blick nach vorne und da müssen wir die Regierung stellen. Und Sie haben es gerade gesagt, es gibt genügend Baustellen, an denen wir sie auch stellen können.
Appelmann: Noch mal ganz kurz der Blick zurück. Bei der letzten Landtagswahl hat die CDU Rheinland-Pfalz das schlechteste Nachkriegsergebnis eingefahren. Müssen Sie sich eingestehen, dass Sie gegen die populäre Ministerpräsidentin Malu Dreyer einfach nicht gewachsen sind, dass Sie nicht gegen die gewinnen können?
Schnieder: Also ich glaube nicht, dass wir nicht gewachsen sind und nicht gewinnen können. Wir haben eigene Fehler auch in dieser schwierigen Situation 2021 gemacht. Man kann auch nicht absprechen, dass Malu Dreyer einen gewissen Popularitätsbonus hat. Aber jetzt schauen wir, wie gesagt, in Richtung 2026 und dann sind wir aufgestellt, wir sind thematisch aufgestellt und wir werden Alternativen bieten.
Appelmann: Sie haben eben schon die Themen angesprochen. Über die wollen wir jetzt sprechen, über ein Thema, das von der großen Politikbühne vom Europaparlament bis runter in die Kommunen momentan die drängendsten Herausforderungen liefert. Und deswegen schauen wir jetzt auf die Asylpolitik.
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Weit mehr als eine Million Menschen sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen, teils auf der Flucht vor dem Krieg in der Ukraine, teils auf der Suche nach Asyl. In diesem Jahr könnten noch deutlich mehr Asylbewerber kommen – die Zahlen steigen und steigen. Weil immer mehr europäische Staaten durch den Flüchtlingsstrom überlastet sind, will die Mehrheit der EU-Staaten die Migration stärker begrenzen: Asylbewerber mit niedriger Bleibeperspektive sollen unter haftähnlichen Bedingungen an der EU-Außengrenze festgehalten werden. Innerhalb von zwölf Wochen soll geprüft werden, ob sie eine Chance auf Asyl haben oder zurückgeschickt werden.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die auch SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Hessen ist, spricht von einem historischen Kompromiss.
Nancy Faeser (SPD), Bundesinnenministerin
„Wir haben es geschafft, gemeinsam in der EU uns dazu zu bekennen, dass wir gemeinsam am besten handeln und nicht Nationalstaatlichkeit vorgeht.“
Es ist ein Kompromiss, der insbesondere bei den Grünen für Bauchschmerzen sorgt, zumal die neuen Grenzverfahren auch für Familien mit Kindern gelten sollen. Doch letztlich wissen die grünen Entscheidungsträger, dass sie in Regierungsverantwortung auch unangenehme Entscheidungen mittragen müssen.
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Appelmann: Ja, in der CDU gab es die ganze Zeit Stimmen, das Asylrecht zu verschärfen. Das ist nun eine Verschärfung, dieser EU-Asylkompromiss. Das müssen Sie doch loben, oder?
Schnieder: Ja, das ist der Schritt in die richtige Richtung. Wir haben immer gesagt, wir stehen für Humanität, aber wir stehen auch für Ordnung. Wir müssen geltendes Recht auch richtig anwenden. Und wenn wir den Blick richten, wir brauchen einen Schutz der EU-Außengrenzen. Wir haben in einer Masse illegale Migration, der wir hier auch nicht mehr Herr werden können. Wir merken das bis in die Dörfer hinein. Die Kommunen stehen mit dem Rücken an der Wand. Da muss sich was ändern. Und deswegen begrüßen wir diesen Schritt als Schritt in die richtige Richtung.
Appelmann: Sie sagen gerade, in den Kommunen muss sich etwas ändern. Da spielen Sie in Richtung Landesregierung an, aber die kann ja nichts ändern. Die Flüchtlinge kommen, und dann sind sie nun mal da. Sie können nur sagen, wie würden sie anders integrieren, wie würden sie irgendwie schneller integrieren? Und Sie müssen sagen, wo das Geld dafür herkäme.
Schnieder: Also zuerst mal kann natürlich die Landesregierung etwas tun. Und wenn es nur über die Initiativen im Bundesrat ist oder auch mit ihren Ampelkoalitionären auf Bundesebene sprechen. Wenn der Schutz der EU-Außengrenzen nicht funktioniert, dann müssen wir unsere Binnengrenzen schützen. Das macht die Bundespolizei als Grenzpolizei in Richtung Österreich seit 2015 sehr erfolgreich. Und wir fordern, weil sich die Schleuserrouten geändert haben, das auch in Richtung Polen, Tschechien, auch in Richtung Schweiz zu machen. Die Landesregierung kann über den Bundesrat endlich auch ihren Widerstand gegen die Einstufung von Tunesien, Marokko, Algerien und Georgien als sichere Herkunftsstaaten endlich aufgeben. Da sind Länder dabei, wo wir Urlaub machen, aber sie gelten nicht als sichere Herkunft. Das würde Rückführungen deutlich erleichtern. Von daher ist da schon Potenzial, endlich was zu machen. Wir dürfen auch keine Denkverbote dort haben, sondern wir sehen, dass wir eine Lage haben, wo die Stimmung kippt. Wir merken, dass die Kommunen was Wohnraum betrifft, was auch finanzielle Ausstattung betrifft, nicht weiterkommen. Und da ist das Land gefordert.
Appelmann: Immer wenn es um das Thema Flüchtlinge geht, dann kommt auch die AfD ins Spiel. Hauptgrund für den Höhenflug der AfD ist laut Umfragen die steigende Zahl von Flüchtlingen. Bei den aktuellen Umfragen steigt momentan die Beliebtheit der AfD -21%, die aktuelle Umfrage. Bei der CDU / CSU geht’s momentan runter auf 25,5%. Das heißt doch, dass immer mehr Bürger der CDU nicht zutrauen, dieses Problem zu lösen.
Schnieder: Ich glaube, dass die Sichtweise nicht ganz korrekt ist und man sagt: “Das ist nur die CDU / CSU, die nicht in der Lage ist, das Problem zu lösen.” Wir haben Lösungsvorschläge auf den Tisch gelegt und ich glaube auch nicht, dass der reine Höhenflug der AfD nur aus der Migrationsfrage stammt, Sondern es gibt eine bedeutende Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Es wird versucht von oben zu sagen, wie wir unsere Heizungen zu gestalten haben. Es wird versucht uns zu sagen, wo wir noch in Urlaub fliegen dürfen, welche Autos wir nutzen und fahren sollen …
Appelmann: Aber mit den Argumenten müsste die Ampel runtergehen, das ist ja so in den Umfragen, aber da müsste doch die CDU aufbauen. Aber die AfD sitzt Ihnen ja im Nacken. 4,5% trennen Sie nur noch.
Schnieder: Also die Ampel hat, glaube ich, noch einen Zustimmungswert auf Bundesebene von rund 40%, also mit deutlichem Abstand keine Regierungsmehrheit mehr. Also ich glaube, dass man das vielschichtig betrachten muss. Natürlich muss man selbstkritisch schauen, wie deutlicher, wie offener müssen wir noch mal Themen bespielen. Aber wir können nicht daran vorbeischauen, dass die Menschen unzufrieden sind, weil ihnen verschiedene politische Felder aufoktroyiert werden und sie da vielleicht ein Ventil drin sehen, zu sagen: “Ich vertraue im Moment den etablierten Parteien nicht mehr.”
Appelmann: Mit Blick auf die Flüchtlinge und die schwierige Integration hat CDU-Chef Friedrich Merz von “Sozialtourismus” und von “kleinen Paschas” gesprochen. Wird irgendein Problem dadurch gelöst, dass die CDU auf einmal AfD-Jargon benutzt?
Schnieder: Ich würde nicht sagen, dass das AfD-Jargon ist. Ich würde nur sagen, wir sollten auch mal die Sprachpolizei zu Hause lassen. Also ich kann Sie nur einladen, auch gerne an die Schulen im Land zu gehen, auch in die ländlichen Regionen. Und ich glaube, dass es nicht viel Gegenwehr geben wird gegen die Aussagen, dass es dort auch kleine und große Paschas gibt. Wir sollten nicht immer direkt zurückrudern.
Appelmann: Also Sie nehmen das Wort auch in den Mund.
Schnieder: Ich habe es auch gerade in den Mund genommen, weil wir offen darüber reden müssen, was die Menschen Tag für Tag auch erleben. Darüber zu schweigen und es nicht anzusprechen, das hilft doch gerade den Parteien ganz linksaußen, ganz rechtsaußen. Wir müssen die Themen ansprechen, wir müssen über das reden, was die Bürger sehen, was ihnen auf den Nägeln brennt, und wir müssen Lösungsvorschläge machen. Und dann muss ich Dinge ansprechen. Wenn Menschen in ihre Heimatländer in Urlaub zurückfahren, dann muss ich mir die Frage stellen: Ist das einfach so möglich oder darf ich wenigstens drüber reden, welche Konsequenzen so was auch möglicherweise haben könnte? Und dass wir eine Sogwirkung aufgrund unserer sozialen Leistungen haben nach Deutschland, die sieht auch jemand. Es ist nicht so, dass man freiwillig in alle europäischen Staaten geht, sondern dass wir gerade nach Deutschland hin eine bestimmte Sogwirkung merken. Und dann muss ich auch drüber sprechen dürfen.
Appelmann: Am Anfang haben wir über den EU-Asylkompromiss gesprochen, der ja noch in weiter Ferne ist. Erst mal muss er durch das EU Parlament, dann durch die nationalen Parlamente durch. Das heißt doch aber, dass der Zustand, der die AfD groß gemacht hat, noch sehr, sehr lange andauert. Macht Ihnen das keine Sorgen?
Schnieder: Doch, das macht mir Sorgen. Deswegen haben wir auch in den letzten Wochen und Monaten mehrfach auch im Parlament hier in Mainz unsere Lösungsvorschläge auf den Tisch gelegt und darüber gesprochen, wie wir glauben, dass wir dieses Problem begrenzen können, weil wir es begrenzen müssen. Wir gehen in diesem Jahr in Richtung 350.000 Erstasylanträge. Wir waren im letzten Jahr bei 240.000 Erstasylanträge. Wir sind mit den Kapazitäten am Ende.
Appelmann: Also zwei Punkte. Was muss direkt passieren?
Schnieder:Wir müssen noch mal über den Schutz der Binnengrenzen nachdenken. Wir müssen über die Einstufung von sicheren Herkunftsstaaten nachdenken. Und wir müssen die Menschen zurückführen, die keine Bleibeberechtigung haben. Denn nur dann habe ich Kapazitäten, mich um die zu kümmern, die wirklich aus gutem Grund auch hier bleiben dürfen.
Appelmann: Das würde Gordon Schnieder machen, wenn er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wäre. Wir reden jetzt über die Lage Ihrer Partei, der CDU. Und obwohl die Ampel im Bund momentan ein zerstrittenes Bild abgibt, ja, profitiert die CDU irgendwie gar nicht.
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Es ist eine schier paradoxe Situation: Die Regierungskoalition aus SPD, FDP und Grünen verliert gerade massiv an Zuspruch, weil sie kaum ein Gesetzesvorhaben unfallfrei über die Ziellinie bringt. Inmitten all der Krisen versucht die Ampel auf Biegen und Brechen ein Heizungsgesetz durchzupeitschen, das viele Bürger in Angst und Schrecken versetzt.
Das Ergebnis: Bröckelnde Umfragewerte – die Ampelparteien hätten heute keine Mehrheit mehr.
Eigentlich goldene Erntezeit für die Oppositionsparteien. Doch während die Union stagniert, laufen alle Wasser auf die Mühlen der AfD.
Deren massives Erstarken in den letzten Wochen brachte CDU-Parteichef Merz auf die Idee, in den Grünen den Hauptgegner der CDU zu erkennen. Heftiger Widerspruch folgte auf den Fuß unter anderem von CDU- Ministerpräsident Daniel Günther, der mit den Grünen erfolgreich Schleswig-Holstein regiert.
Die CDU steckt im Dilemma: In Osten der Republik wird die CDU ihre konservativen Urinstinkte wiederbeleben müssen, ansonsten wird sie gegen die AfD nach allen Regeln der Kunst untergehen. Denn an einer durch Merkel grün eigefärbten CDU ist kaum einer interessiert. Dies ist im Westen ganz anders. Hier führt für die CDU – will sie mitregieren – oft kein Weg an den Grünen vorbei.
Doch als sei dies alles nicht genug, setzten die Christdemokraten stattdessen noch ein ganz anderes Stück auf den Spielplan: Das Thema Kanzlerkandidatur.
Durch die Blume signalisierte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, dass er sich diese Rolle für sich vorstellen könnte. Sehr zum Missfallen des Parteivorsitzenden Friedrich Merz.
Wir lernen: Die CDU ist wieder ganz bei sich. Streit und Missgunst beherrschen die Partei. Den Wähler graut es. Dabei hätte die Ampel in Berlin eine schlagkräftige und intelligente Opposition bitter nötig.
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Appelmann: Wenn sich die CDU gegen die Grünen positioniert, was heißt das denn ganz konkret für Koalitionen? Also ich frage Sie da auch persönlich, weil die Menschen, die die CDU wählen, wollen ja wissen, welche Politik sie am Ende bekommen.
Schnieder: Ja, ich glaube, über Koalitionen muss man dann reden, wenn man die Wahlergebnisse auf dem Tisch hat und überhaupt in der Lage ist, dass man in Regierungsverantwortung kommt und wen man da mitnimmt. Und da bleibt es in der CDU, dass auf Bundesebene wie auch auf Landesebene so, dass wir mit allen demokratischen Parteien natürlich dann reden, wenn es denn dann mal soweit ist. Aber hier geht es in der Kritik auch um etwas anderes Dass wir uns gegen eine Politik werden, die gerade aus Berlin kommt, wo gerade aus den Häusern der grünen Minister und insbesondere bei Minister Habeck eine ideologische Aufoktroyierung von Dingen kommt, die nicht kommuniziert wird, die den Menschen Angst macht und sie nicht wissen, wie sie diese Themen durchstehen.
Appelmann: Momentan könnte die CDU einen Angriff nach dem anderen reiten und trotzdem beschäftigt sie sich momentan mit sich selbst. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst hat sich gerade in Stellung gebracht als möglicher Kanzlerkandidat. Als Sie das gehört haben, was haben Sie da gedacht?
Schnieder: Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, über Personalien zu sprechen. Und ich glaube, spätestens wir müssen auch daraus gelernt haben, 2021, dass genau das der Erfolg dazu ist, dass man nicht gewählt wird. Und es stellt sich ja heute diese Frage noch gar nicht.
Appelmann: Er hat sie ja aufgeworfen.
Schnieder: Er hat sie aufgeworfen, ist auch noch manches mit reininterpretiert worden. Das, was Friedrich Merz dann in der Replik dazu gesagt hat, war auch nicht ganz glücklich. Aber wir sollten uns nicht über Personalien jetzt unterhalten, sondern wir müssen schauen, wie kriegen wir unsere Lösungsansätze – und die haben wir in allen Themen – ordentlich kommuniziert und den Menschen mitgeteilt.
Appelmann: Gehören Sie eigentlich eher zum Team Wüst oder Team Merz?
Schnieder: Es gibt im Moment kein Team Wüst und kein Team Merz. Habe immer gesagt, dass ich Friedrich Merz drei mal gewählt habe, eeim dritten Mal war es dann von Erfolg gekrönt. Er macht eine hervorragende Arbeit und genauso macht Hendrik Wüst in Nordrhein-Westfalen eine hervorragende Arbeit.
Appelmann: Ich habe die Frage auch gestellt, weil Hendrik Wüst ja eher für einen Mitte-links-Kurs steht, Friedrich Merz eher für eine konservative CDU. Und früher ist es gelungen, alle Strömungen unter einem Dach zu vereinen. Ich denke da an den großen Rheinland-Pfälzer, an Helmut Kohl zum Beispiel, der das geschafft hat. Aber es scheint so, dass das immer weniger der Fall ist, dass es schwieriger wird, diese Strömungen zu vereinen. Warum?
Schnieder: Es wird insgesamt schwieriger in der politischen Landschaft Menschen dafür zu gewinnen, bei einem zu stehen und es ist noch mal schwieriger, bei einer großen Volkspartei, die eben von weiten Teilen zu einem Kompromiss zusammenbinden muss. Aber da haben wir eben starke Köpfe. Wir haben mit Hendrik Wüst jemand, der für den einen Kurs steht, und wir haben aber an der Parteispitze Friedrich Merz, der eine hervorragende Arbeit macht und der auch das Profil der CDU wieder herausarbeitet.
Appelmann: Okay. Also da gibt es momentan keine Festlegung, genau wie bei dem Landes- und Fraktionsvorsitz momentan auch nicht. Grordon Schnieder, an dieser Stelle machen wir einen Punkt und kommen zu unserem Spiel in den 17:30 Sat.1 live Sommerinterviews. “Auf ein Wort” heißt der Spaß Ich liefere Ihnen ein Wort und Sie mir eine ganz schnelle Reaktion darauf. Je kürzer und kompakter, desto besser.
Gordon Schnieder: Okay.
Appelmann: Okay? Manchmal stelle ich auch eine Nachfrage. “Eifel”.
Schnieder: Heimat.
Appelmann: “Kindheitserinnerungen”.
Schnieder: Wald, Eifel, Vulkaneifel, Birresborn.
Appelmann: Und die Mare.
Schnieder: Und die Mare.
Appelmann: “Wärmepumpe”.
Schnieder: Derzeitiges Unwort, weil es einfach Angst schürt und weil wir keine Lösung im Moment für den großen Komplex der Wärmewende haben.
Appelmann: “Wahlalter”.
Schnieder: 18.
Appelmann: Da bleiben Sie auch dabei.
Schnieder: Da bleibe ich auch dabei.
Appelmann: “Fleischfrei”.
Schnieder: Jeder so, wie er es für richtig hält. Keine Verbotspolitik von oben. Und ich esse gerne Fleisch.
Appelmann: “Grillen”.
Schnieder: Gerne. Häufig mit Freunden und Familie.
Appelmann: “Sport”.
Schnieder: Man sieht es mir an, dieser Körper kennt im Moment keinen Sport. Fehlt einfach die Zeit. Ich bin immer gerne wandern gegangen, auch in einem schnellen Rhythmus. Aber da fehlt derzeit leider die Zeit. Schade.
Appelmann: “Diesel”.
Schnieder: Technologieoffen. Auch Diesel werden wir weiter brauchen.
Appelmann: “Brandmauer”.
Schnieder: Steht. Nach rechts wie nach links.
Appelmann: “Lebensziel”.
Schnieder: Ich habe mein Leben lang immer geschaut, was gerade kommt, welche Herausforderung kommt, und so warte ich auch auf das, was mich noch oder mir noch begegnen wird.
Appelmann: Und man sieht es in Ihrem Lächeln, da kommt noch ein bisschen was.
Schnieder: Wir werden schauen.
Appelmann: “Familie”.
Schnieder: Das ist Heimat. Das ist auch der Zufluchtsort, wenn man abends nach Hause kommt, egal wie spät. Das macht es aus. Ohne wird mir da viel, fehlen.
Appelmann: “Berge”.
Schnieder: Eifel sind schon Berge. Finde ich toll. Ich finde auch das flache Land schön, aber ich komme immer wieder gerne heim.
Appelmann: Jetzt müssen wir eine andere Region nehmen. “Meer”.
Schnieder: Gerne im Urlaub. Ostsee, Nordsee gern im Urlaub.
Appelmann: Okay, und das ist auch unser letztes Wort: “Traumurlaub”.
Schnieder: Dieses Jahr machen wir Urlaub im Allgäu im Sommer und da freue ich mich sehr drauf. Wir wollten immer mal Schloss Neuschwanstein sehen, das will man uns anschauen. Urlaub in Deutschland wird dieses Jahr angesagt sein.
Appelmann: Wir wünschen Ihnen einen schönen Sommer und danken, dass Sie zum Ersten Sommerinterview da waren. Gordon Schnider, der CDU Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag.
Schnieder: Vielen Dank, Herr Appelmann. Es hat Spaß gemacht.
Markus Appelmann, Moderator: Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Sommerinterviews in 17:30 Sat.1 live. Wir melden uns mal wieder von der Dachterrasse auf dem Mainzer Lerchenberg und da begrüßen wir heute einen Mann, der zum ersten Mal in den Sommerinterviews ist und der vor kurzem noch gesagt hat: “Fraktionsvorsitzender war nie mein Lebensziel.” Jetzt ist er Fraktionsvorsitzender der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag. Gordon Schnieder, ich grüße Sie.
Gordon Schnieder (CDU), Fraktionsvorsitzender Rheinland-Pfalz: Herr Appelmann, ich grüße Sie auch. Danke, dass ich hier sein darf.
Appelmann: Herr Schneider, ich habe es gerade eben gesagt, Ihre Planung der letzten Monate war sicherlich eine andere und dann wurden Sie Fraktionsvorsitzender. Was bedeutet das denn für Ihre Work-Life-Balance? Und was sagt Ihre Familie in der Eifel zum neuen Job?
Schnieder: Ja, ich habe mich ja sehr früh auch mit meiner Familie ausgetauscht, als dann, sagen wir mal, das Los auf mich gefallen war. Das geht auch nur in einer gegenseitigen Absprache und ich bin meiner Frau sehr dankbar, die mir natürlich zu Hause den Rücken freihält. Wir haben noch zwei kleinere Kinder, die müssen auch versorgt werden, und natürlich sind ganz andere Terminlagen jetzt dazugekommen. Wir haben uns zu Hause ausgemacht, wenn das machbar ist, ein Wochenende im Monat frei zu haben und an den anderen Wochenenden möglichst einen Samstag oder einen Sonntag. Das gelingt nicht immer, aber da muss man miteinander reden, und dann klappt das auch.
Appelmann: Da muss man miteinander reden – das tun wir jetzt auch. Sie sind 100 Tage Fraktionsvorsitzender. Viele kennen Sie schon, aber nicht alle. Deswegen stellen wir unseren Gast des Tages noch einmal kurz und kompakt vor.
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Gordon Schnieder wird in Trier geboren. Er arbeitet in der Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen, bevor er in die Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm wechselt. Seit 2016 sitzt er für die CDU im Mainzer Landtag. Dort macht er seitdem Karriere. Seine Wahl zum Generalsekretär der Landes-CDU verläuft noch harmonisch, doch der folgende Karriereschritt kommt mit einem Knall. Zwei Tage vor Weihnachten kündigt Christian Baldauf seinen Rücktritt als Fraktionschef an. Interne Kritik hat ihn zum Aufgeben gezwungen. Sein bisheriger Vize Gordon Schnieder folgt ihm als Fraktionsvorsitzender nach. Faktisch lebt die rheinland-pfälzische CDU seitdem mit einer Doppelspitze von Parteichef Baldauf und Fraktionschef Schnieder.
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Appelmann: Ja, Herr Schneider, lassen Sie uns direkt einsteigen. Wenn Christian Baldauf als Fraktionsvorsitzender nicht mehr die erste Wahl war, kann er es dann als Landesvorsitzender noch sein?
Schnieder: Ja, er macht einen guten Job, er ist gewählt. Wir haben erst 2024 den regulären Wahlparteitag. Der Landesvorstand hat Anfang Januar ihn auch gebeten, dieses Amt weiterzuführen und er macht da eine gute Arbeit.
Appelmann: Dann mal andersrum gefragt: Haben Sie Interesse, Landesvorsitzender zu werden?
Schnieder: Also die Frage stellt sich derzeit nicht. Noch mal: Wir haben regulären Parteitag im Jahr 2024, wahrscheinlich nach der Europa- und Kommunalwahl. Ich bin Generalsekretär, wir arbeiten allein da schon sehr eng und sehr ordentlich und gut zusammen, und von daher läuft das.
Appelmann: Sie haben es eben gesagt: Nach der Europa- und Kommunalwahl wohl, also erst im Sommer. Im Juni findet ja die Wahl statt. Muss nicht der Wähler Klarheit haben, wer Landesvorsitzender wird, damit er sein Kreuz richtig macht?
Schnieder: Also das Kreuz, auf das Sie anspielen, ist wahrscheinlich das Kreuz im März 2026 und da haben wir noch eine ganz lange Vorlaufzeit. Und deswegen passt das zweite Halbjahr 2024 gut.
Appelmann: Bei der Kommunalwahl, Das Kreuz meinte ich eigentlich. Da wollen Sie doch auch gut abschneiden.
Schnieder: Ja, da werden wir auch gut abschneiden, weil wir auch da gemeinschaftlich – ich als Generalsekretär und der Christian Baldauf als Landesvorsitzender – jetzt auf dem letzten Parteitag unser Kommunalwahlprogramm vorgestellt haben, unsere Werbelinie und wie wir die Leute mitnehmen.
Appelmann: Okay, aber vorher wird es da keine Aussage zum Landesvorsitz geben, vor dieser Wahl im Juni 2024?
Schnieder: Die wird es nicht geben, weil sich die Frage bis dahin nicht stellt.
Appelmann: Okay. Bei den Kommunalwahlen ist die CDU stark, das muss man sagen – im Land eher nicht. Seit über drei Jahrzehnten sind Sie auf den harten Oppositionsbänken unterwegs. Und das, obwohl die SPD-geführte Landesregierung so einige Stolpersteine im Weg hatte. Die Nürburgring-Affäre, der insolvente Flughafen Hahn, das Management der Flutkatastrophe und und und. Warum hat die CDU die Regierung um Malu Dreyer trotzdem nie nachhaltig erschüttern können?
Schnieder: Es ist müßig, in die letzten 30 Jahre zurückzuschauen. Die Oppositionsbänke sind hart. Wir waren auch mal nah dran. Das war nach der Nürburgring-Affäre im Jahr 2011. Ich glaube, da haben 6.000 Stimmen gefehlt. Da kam Fukushima dazwischen. 2016 hatten wir auch wieder andere Problemlagen. Man muss auch selbstkritisch zurückschauen. Wir haben auch nicht immer alles richtig gemacht, sonst hätten wir wahrscheinlich andere Ergebnisse auch eingefahren. Aber jetzt geht der Blick nach vorne und da müssen wir die Regierung stellen. Und Sie haben es gerade gesagt, es gibt genügend Baustellen, an denen wir sie auch stellen können.
Appelmann: Noch mal ganz kurz der Blick zurück. Bei der letzten Landtagswahl hat die CDU Rheinland-Pfalz das schlechteste Nachkriegsergebnis eingefahren. Müssen Sie sich eingestehen, dass Sie gegen die populäre Ministerpräsidentin Malu Dreyer einfach nicht gewachsen sind, dass Sie nicht gegen die gewinnen können?
Schnieder: Also ich glaube nicht, dass wir nicht gewachsen sind und nicht gewinnen können. Wir haben eigene Fehler auch in dieser schwierigen Situation 2021 gemacht. Man kann auch nicht absprechen, dass Malu Dreyer einen gewissen Popularitätsbonus hat. Aber jetzt schauen wir, wie gesagt, in Richtung 2026 und dann sind wir aufgestellt, wir sind thematisch aufgestellt und wir werden Alternativen bieten.
Appelmann: Sie haben eben schon die Themen angesprochen. Über die wollen wir jetzt sprechen, über ein Thema, das von der großen Politikbühne vom Europaparlament bis runter in die Kommunen momentan die drängendsten Herausforderungen liefert. Und deswegen schauen wir jetzt auf die Asylpolitik.
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Weit mehr als eine Million Menschen sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen, teils auf der Flucht vor dem Krieg in der Ukraine, teils auf der Suche nach Asyl. In diesem Jahr könnten noch deutlich mehr Asylbewerber kommen – die Zahlen steigen und steigen. Weil immer mehr europäische Staaten durch den Flüchtlingsstrom überlastet sind, will die Mehrheit der EU-Staaten die Migration stärker begrenzen: Asylbewerber mit niedriger Bleibeperspektive sollen unter haftähnlichen Bedingungen an der EU-Außengrenze festgehalten werden. Innerhalb von zwölf Wochen soll geprüft werden, ob sie eine Chance auf Asyl haben oder zurückgeschickt werden.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die auch SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Hessen ist, spricht von einem historischen Kompromiss.
Nancy Faeser (SPD), Bundesinnenministerin
„Wir haben es geschafft, gemeinsam in der EU uns dazu zu bekennen, dass wir gemeinsam am besten handeln und nicht Nationalstaatlichkeit vorgeht.“
Es ist ein Kompromiss, der insbesondere bei den Grünen für Bauchschmerzen sorgt, zumal die neuen Grenzverfahren auch für Familien mit Kindern gelten sollen. Doch letztlich wissen die grünen Entscheidungsträger, dass sie in Regierungsverantwortung auch unangenehme Entscheidungen mittragen müssen.
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Appelmann: Ja, in der CDU gab es die ganze Zeit Stimmen, das Asylrecht zu verschärfen. Das ist nun eine Verschärfung, dieser EU-Asylkompromiss. Das müssen Sie doch loben, oder?
Schnieder: Ja, das ist der Schritt in die richtige Richtung. Wir haben immer gesagt, wir stehen für Humanität, aber wir stehen auch für Ordnung. Wir müssen geltendes Recht auch richtig anwenden. Und wenn wir den Blick richten, wir brauchen einen Schutz der EU-Außengrenzen. Wir haben in einer Masse illegale Migration, der wir hier auch nicht mehr Herr werden können. Wir merken das bis in die Dörfer hinein. Die Kommunen stehen mit dem Rücken an der Wand. Da muss sich was ändern. Und deswegen begrüßen wir diesen Schritt als Schritt in die richtige Richtung.
Appelmann: Sie sagen gerade, in den Kommunen muss sich etwas ändern. Da spielen Sie in Richtung Landesregierung an, aber die kann ja nichts ändern. Die Flüchtlinge kommen, und dann sind sie nun mal da. Sie können nur sagen, wie würden sie anders integrieren, wie würden sie irgendwie schneller integrieren? Und Sie müssen sagen, wo das Geld dafür herkäme.
Schnieder: Also zuerst mal kann natürlich die Landesregierung etwas tun. Und wenn es nur über die Initiativen im Bundesrat ist oder auch mit ihren Ampelkoalitionären auf Bundesebene sprechen. Wenn der Schutz der EU-Außengrenzen nicht funktioniert, dann müssen wir unsere Binnengrenzen schützen. Das macht die Bundespolizei als Grenzpolizei in Richtung Österreich seit 2015 sehr erfolgreich. Und wir fordern, weil sich die Schleuserrouten geändert haben, das auch in Richtung Polen, Tschechien, auch in Richtung Schweiz zu machen. Die Landesregierung kann über den Bundesrat endlich auch ihren Widerstand gegen die Einstufung von Tunesien, Marokko, Algerien und Georgien als sichere Herkunftsstaaten endlich aufgeben. Da sind Länder dabei, wo wir Urlaub machen, aber sie gelten nicht als sichere Herkunft. Das würde Rückführungen deutlich erleichtern. Von daher ist da schon Potenzial, endlich was zu machen. Wir dürfen auch keine Denkverbote dort haben, sondern wir sehen, dass wir eine Lage haben, wo die Stimmung kippt. Wir merken, dass die Kommunen was Wohnraum betrifft, was auch finanzielle Ausstattung betrifft, nicht weiterkommen. Und da ist das Land gefordert.
Appelmann: Immer wenn es um das Thema Flüchtlinge geht, dann kommt auch die AfD ins Spiel. Hauptgrund für den Höhenflug der AfD ist laut Umfragen die steigende Zahl von Flüchtlingen. Bei den aktuellen Umfragen steigt momentan die Beliebtheit der AfD -21%, die aktuelle Umfrage. Bei der CDU / CSU geht’s momentan runter auf 25,5%. Das heißt doch, dass immer mehr Bürger der CDU nicht zutrauen, dieses Problem zu lösen.
Schnieder: Ich glaube, dass die Sichtweise nicht ganz korrekt ist und man sagt: “Das ist nur die CDU / CSU, die nicht in der Lage ist, das Problem zu lösen.” Wir haben Lösungsvorschläge auf den Tisch gelegt und ich glaube auch nicht, dass der reine Höhenflug der AfD nur aus der Migrationsfrage stammt, Sondern es gibt eine bedeutende Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Es wird versucht von oben zu sagen, wie wir unsere Heizungen zu gestalten haben. Es wird versucht uns zu sagen, wo wir noch in Urlaub fliegen dürfen, welche Autos wir nutzen und fahren sollen …
Appelmann: Aber mit den Argumenten müsste die Ampel runtergehen, das ist ja so in den Umfragen, aber da müsste doch die CDU aufbauen. Aber die AfD sitzt Ihnen ja im Nacken. 4,5% trennen Sie nur noch.
Schnieder: Also die Ampel hat, glaube ich, noch einen Zustimmungswert auf Bundesebene von rund 40%, also mit deutlichem Abstand keine Regierungsmehrheit mehr. Also ich glaube, dass man das vielschichtig betrachten muss. Natürlich muss man selbstkritisch schauen, wie deutlicher, wie offener müssen wir noch mal Themen bespielen. Aber wir können nicht daran vorbeischauen, dass die Menschen unzufrieden sind, weil ihnen verschiedene politische Felder aufoktroyiert werden und sie da vielleicht ein Ventil drin sehen, zu sagen: “Ich vertraue im Moment den etablierten Parteien nicht mehr.”
Appelmann: Mit Blick auf die Flüchtlinge und die schwierige Integration hat CDU-Chef Friedrich Merz von “Sozialtourismus” und von “kleinen Paschas” gesprochen. Wird irgendein Problem dadurch gelöst, dass die CDU auf einmal AfD-Jargon benutzt?
Schnieder: Ich würde nicht sagen, dass das AfD-Jargon ist. Ich würde nur sagen, wir sollten auch mal die Sprachpolizei zu Hause lassen. Also ich kann Sie nur einladen, auch gerne an die Schulen im Land zu gehen, auch in die ländlichen Regionen. Und ich glaube, dass es nicht viel Gegenwehr geben wird gegen die Aussagen, dass es dort auch kleine und große Paschas gibt. Wir sollten nicht immer direkt zurückrudern.
Appelmann: Also Sie nehmen das Wort auch in den Mund.
Schnieder: Ich habe es auch gerade in den Mund genommen, weil wir offen darüber reden müssen, was die Menschen Tag für Tag auch erleben. Darüber zu schweigen und es nicht anzusprechen, das hilft doch gerade den Parteien ganz linksaußen, ganz rechtsaußen. Wir müssen die Themen ansprechen, wir müssen über das reden, was die Bürger sehen, was ihnen auf den Nägeln brennt, und wir müssen Lösungsvorschläge machen. Und dann muss ich Dinge ansprechen. Wenn Menschen in ihre Heimatländer in Urlaub zurückfahren, dann muss ich mir die Frage stellen: Ist das einfach so möglich oder darf ich wenigstens drüber reden, welche Konsequenzen so was auch möglicherweise haben könnte? Und dass wir eine Sogwirkung aufgrund unserer sozialen Leistungen haben nach Deutschland, die sieht auch jemand. Es ist nicht so, dass man freiwillig in alle europäischen Staaten geht, sondern dass wir gerade nach Deutschland hin eine bestimmte Sogwirkung merken. Und dann muss ich auch drüber sprechen dürfen.
Appelmann: Am Anfang haben wir über den EU-Asylkompromiss gesprochen, der ja noch in weiter Ferne ist. Erst mal muss er durch das EU Parlament, dann durch die nationalen Parlamente durch. Das heißt doch aber, dass der Zustand, der die AfD groß gemacht hat, noch sehr, sehr lange andauert. Macht Ihnen das keine Sorgen?
Schnieder: Doch, das macht mir Sorgen. Deswegen haben wir auch in den letzten Wochen und Monaten mehrfach auch im Parlament hier in Mainz unsere Lösungsvorschläge auf den Tisch gelegt und darüber gesprochen, wie wir glauben, dass wir dieses Problem begrenzen können, weil wir es begrenzen müssen. Wir gehen in diesem Jahr in Richtung 350.000 Erstasylanträge. Wir waren im letzten Jahr bei 240.000 Erstasylanträge. Wir sind mit den Kapazitäten am Ende.
Appelmann: Also zwei Punkte. Was muss direkt passieren?
Schnieder:Wir müssen noch mal über den Schutz der Binnengrenzen nachdenken. Wir müssen über die Einstufung von sicheren Herkunftsstaaten nachdenken. Und wir müssen die Menschen zurückführen, die keine Bleibeberechtigung haben. Denn nur dann habe ich Kapazitäten, mich um die zu kümmern, die wirklich aus gutem Grund auch hier bleiben dürfen.
Appelmann: Das würde Gordon Schnieder machen, wenn er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wäre. Wir reden jetzt über die Lage Ihrer Partei, der CDU. Und obwohl die Ampel im Bund momentan ein zerstrittenes Bild abgibt, ja, profitiert die CDU irgendwie gar nicht.
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Es ist eine schier paradoxe Situation: Die Regierungskoalition aus SPD, FDP und Grünen verliert gerade massiv an Zuspruch, weil sie kaum ein Gesetzesvorhaben unfallfrei über die Ziellinie bringt. Inmitten all der Krisen versucht die Ampel auf Biegen und Brechen ein Heizungsgesetz durchzupeitschen, das viele Bürger in Angst und Schrecken versetzt.
Das Ergebnis: Bröckelnde Umfragewerte – die Ampelparteien hätten heute keine Mehrheit mehr.
Eigentlich goldene Erntezeit für die Oppositionsparteien. Doch während die Union stagniert, laufen alle Wasser auf die Mühlen der AfD.
Deren massives Erstarken in den letzten Wochen brachte CDU-Parteichef Merz auf die Idee, in den Grünen den Hauptgegner der CDU zu erkennen. Heftiger Widerspruch folgte auf den Fuß unter anderem von CDU- Ministerpräsident Daniel Günther, der mit den Grünen erfolgreich Schleswig-Holstein regiert.
Die CDU steckt im Dilemma: In Osten der Republik wird die CDU ihre konservativen Urinstinkte wiederbeleben müssen, ansonsten wird sie gegen die AfD nach allen Regeln der Kunst untergehen. Denn an einer durch Merkel grün eigefärbten CDU ist kaum einer interessiert. Dies ist im Westen ganz anders. Hier führt für die CDU – will sie mitregieren – oft kein Weg an den Grünen vorbei.
Doch als sei dies alles nicht genug, setzten die Christdemokraten stattdessen noch ein ganz anderes Stück auf den Spielplan: Das Thema Kanzlerkandidatur.
Durch die Blume signalisierte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, dass er sich diese Rolle für sich vorstellen könnte. Sehr zum Missfallen des Parteivorsitzenden Friedrich Merz.
Wir lernen: Die CDU ist wieder ganz bei sich. Streit und Missgunst beherrschen die Partei. Den Wähler graut es. Dabei hätte die Ampel in Berlin eine schlagkräftige und intelligente Opposition bitter nötig.
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Appelmann: Wenn sich die CDU gegen die Grünen positioniert, was heißt das denn ganz konkret für Koalitionen? Also ich frage Sie da auch persönlich, weil die Menschen, die die CDU wählen, wollen ja wissen, welche Politik sie am Ende bekommen.
Schnieder: Ja, ich glaube, über Koalitionen muss man dann reden, wenn man die Wahlergebnisse auf dem Tisch hat und überhaupt in der Lage ist, dass man in Regierungsverantwortung kommt und wen man da mitnimmt. Und da bleibt es in der CDU, dass auf Bundesebene wie auch auf Landesebene so, dass wir mit allen demokratischen Parteien natürlich dann reden, wenn es denn dann mal soweit ist. Aber hier geht es in der Kritik auch um etwas anderes Dass wir uns gegen eine Politik werden, die gerade aus Berlin kommt, wo gerade aus den Häusern der grünen Minister und insbesondere bei Minister Habeck eine ideologische Aufoktroyierung von Dingen kommt, die nicht kommuniziert wird, die den Menschen Angst macht und sie nicht wissen, wie sie diese Themen durchstehen.
Appelmann: Momentan könnte die CDU einen Angriff nach dem anderen reiten und trotzdem beschäftigt sie sich momentan mit sich selbst. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst hat sich gerade in Stellung gebracht als möglicher Kanzlerkandidat. Als Sie das gehört haben, was haben Sie da gedacht?
Schnieder: Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, über Personalien zu sprechen. Und ich glaube, spätestens wir müssen auch daraus gelernt haben, 2021, dass genau das der Erfolg dazu ist, dass man nicht gewählt wird. Und es stellt sich ja heute diese Frage noch gar nicht.
Appelmann: Er hat sie ja aufgeworfen.
Schnieder: Er hat sie aufgeworfen, ist auch noch manches mit reininterpretiert worden. Das, was Friedrich Merz dann in der Replik dazu gesagt hat, war auch nicht ganz glücklich. Aber wir sollten uns nicht über Personalien jetzt unterhalten, sondern wir müssen schauen, wie kriegen wir unsere Lösungsansätze – und die haben wir in allen Themen – ordentlich kommuniziert und den Menschen mitgeteilt.
Appelmann: Gehören Sie eigentlich eher zum Team Wüst oder Team Merz?
Schnieder: Es gibt im Moment kein Team Wüst und kein Team Merz. Habe immer gesagt, dass ich Friedrich Merz drei mal gewählt habe, eeim dritten Mal war es dann von Erfolg gekrönt. Er macht eine hervorragende Arbeit und genauso macht Hendrik Wüst in Nordrhein-Westfalen eine hervorragende Arbeit.
Appelmann: Ich habe die Frage auch gestellt, weil Hendrik Wüst ja eher für einen Mitte-links-Kurs steht, Friedrich Merz eher für eine konservative CDU. Und früher ist es gelungen, alle Strömungen unter einem Dach zu vereinen. Ich denke da an den großen Rheinland-Pfälzer, an Helmut Kohl zum Beispiel, der das geschafft hat. Aber es scheint so, dass das immer weniger der Fall ist, dass es schwieriger wird, diese Strömungen zu vereinen. Warum?
Schnieder: Es wird insgesamt schwieriger in der politischen Landschaft Menschen dafür zu gewinnen, bei einem zu stehen und es ist noch mal schwieriger, bei einer großen Volkspartei, die eben von weiten Teilen zu einem Kompromiss zusammenbinden muss. Aber da haben wir eben starke Köpfe. Wir haben mit Hendrik Wüst jemand, der für den einen Kurs steht, und wir haben aber an der Parteispitze Friedrich Merz, der eine hervorragende Arbeit macht und der auch das Profil der CDU wieder herausarbeitet.
Appelmann: Okay. Also da gibt es momentan keine Festlegung, genau wie bei dem Landes- und Fraktionsvorsitz momentan auch nicht. Grordon Schnieder, an dieser Stelle machen wir einen Punkt und kommen zu unserem Spiel in den 17:30 Sat.1 live Sommerinterviews. “Auf ein Wort” heißt der Spaß Ich liefere Ihnen ein Wort und Sie mir eine ganz schnelle Reaktion darauf. Je kürzer und kompakter, desto besser.
Gordon Schnieder: Okay.
Appelmann: Okay? Manchmal stelle ich auch eine Nachfrage. “Eifel”.
Schnieder: Heimat.
Appelmann: “Kindheitserinnerungen”.
Schnieder: Wald, Eifel, Vulkaneifel, Birresborn.
Appelmann: Und die Mare.
Schnieder: Und die Mare.
Appelmann: “Wärmepumpe”.
Schnieder: Derzeitiges Unwort, weil es einfach Angst schürt und weil wir keine Lösung im Moment für den großen Komplex der Wärmewende haben.
Appelmann: “Wahlalter”.
Schnieder: 18.
Appelmann: Da bleiben Sie auch dabei.
Schnieder: Da bleibe ich auch dabei.
Appelmann: “Fleischfrei”.
Schnieder: Jeder so, wie er es für richtig hält. Keine Verbotspolitik von oben. Und ich esse gerne Fleisch.
Appelmann: “Grillen”.
Schnieder: Gerne. Häufig mit Freunden und Familie.
Appelmann: “Sport”.
Schnieder: Man sieht es mir an, dieser Körper kennt im Moment keinen Sport. Fehlt einfach die Zeit. Ich bin immer gerne wandern gegangen, auch in einem schnellen Rhythmus. Aber da fehlt derzeit leider die Zeit. Schade.
Appelmann: “Diesel”.
Schnieder: Technologieoffen. Auch Diesel werden wir weiter brauchen.
Appelmann: “Brandmauer”.
Schnieder: Steht. Nach rechts wie nach links.
Appelmann: “Lebensziel”.
Schnieder: Ich habe mein Leben lang immer geschaut, was gerade kommt, welche Herausforderung kommt, und so warte ich auch auf das, was mich noch oder mir noch begegnen wird.
Appelmann: Und man sieht es in Ihrem Lächeln, da kommt noch ein bisschen was.
Schnieder: Wir werden schauen.
Appelmann: “Familie”.
Schnieder: Das ist Heimat. Das ist auch der Zufluchtsort, wenn man abends nach Hause kommt, egal wie spät. Das macht es aus. Ohne wird mir da viel, fehlen.
Appelmann: “Berge”.
Schnieder: Eifel sind schon Berge. Finde ich toll. Ich finde auch das flache Land schön, aber ich komme immer wieder gerne heim.
Appelmann: Jetzt müssen wir eine andere Region nehmen. “Meer”.
Schnieder: Gerne im Urlaub. Ostsee, Nordsee gern im Urlaub.
Appelmann: Okay, und das ist auch unser letztes Wort: “Traumurlaub”.
Schnieder: Dieses Jahr machen wir Urlaub im Allgäu im Sommer und da freue ich mich sehr drauf. Wir wollten immer mal Schloss Neuschwanstein sehen, das will man uns anschauen. Urlaub in Deutschland wird dieses Jahr angesagt sein.
Appelmann: Wir wünschen Ihnen einen schönen Sommer und danken, dass Sie zum Ersten Sommerinterview da waren. Gordon Schnider, der CDU Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag.
Schnieder: Vielen Dank, Herr Appelmann. Es hat Spaß gemacht.









