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SPD wählt Nancy Faeser zur Spitzenkandidatin

Juni 19, 2023

Noch gut drei Monate, dann wird in Hessen ein neuer Landtag gewählt. Dabei will die SPD nach einem Vierteljahrhundert in der Opposition wieder an die Regierung. Am Samstag hat sie dafür Nancy Faeser offiziell zur Spitzenkandidatin für die Wahl gekürt. Und die Bundesinnenministerin hat klar gemacht: Sie will zurück nach Wiesbaden.
Minutenlanger Beifall für die Spitzenkandidaten, noch bevor sie überhaupt geredet hat. Der Parteitag in Hanau ist ganz auf Nancy Faeser zugeschnitten. Und die will im Angesicht drängender Aufgaben Aufbruchsstimmung verbreiten.
Nancy Faeser (SPD), Spitzenkandidatin Landtagswahl Hessen
„Eine gestaltende Industriepolitik für Hessen, der digitale Umbau unserer Wirtschaft und damit unserer gesamten Arbeitswelt, der Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben, Abschied von den fossilen Energieträgern – keine von diesen Herausforderungen geht weg indem man wegschaut. Wir müssen handeln, und ich will handeln als hessische Ministerpräsidentin.“
Seit 1999 sitzt die SPD in Hessen in der Opposition. Obwohl sie in Umfragen klar hinter der CDU liegt, sieht sie ihre Chance gekommen. Sie setzt darauf, dass die Wähler der CDU überdrüssig werden.
Nancy Faeser (SPD), Spitzenkandidatin Landtagswahl Hessen
„Seit einem Vierteljahrhundert lässt die CDU als Regierungspartei in Hessen die wichtigen Dinge liegen anstatt sie anzupacken. Ohne Ideen, ohne Antrieb, allein getrieben vom Willen zur Macht. Lasst uns dieses Kapitel der hessischen Geschichte beenden und lasst uns eine neue Ära sozialdemokratischer Reformpolitik beginnen, liebe Genossinnen und Genossen – mit dem heutigen Tage.“
Auch Bundesparteichef Lars Klingbeil ist nach Hanau gekommen, um für Nancy Faeser zu werben. Dabei muss er den Spagat machen, sie als Bundesinnenministerin zu loben und trotzdem als Ministerpräsidentin zu empfehlen.
Lars Klingbeil (SPD), Bundesvorsitzender
„Es ist doch richtig, dass jemand, der so viel landespolitische Erfahrung hat, der sieht, was hier in diesem Land alles schiefläuft, und die Ideen hat, wie das besser laufen kann in einem Bundesland, dass sich dann eine Bundesinnenministerin entscheidet, hier die Spitzenkandidatur zu machen. Das ist doch ein Privileg, dass wir so tolle Menschen in unsere Partei haben, die Verantwortung übernehmen und, liebe Nancy, ich kann dir nur sagen: Du bist die Richtige für Hessen.“
Und doch ist es ihr Amt als Bundesinnenministerin, das die Faeser-Festspiele ein wenig stört. Einige Delegierte, vor allem von der Jugendorganisation Jusos, üben Kritik am Asylkompromiss der EU.
Michelle Breustedt, Jusos Hessen-Süd
„Kein Mensch und kein Kind gehört für uns in ein Internierungslager. Ihr habt viele bitter enttäuscht mit dem Kompromiss.“
Nancy Faeser (SPD), Bundesinnenministerin
„Ich bin stolz in einer Partei zu sein, in der junge Menschen an die Menschenrechte der Geflüchteten von Krieg und Vertreibung denken und dafür stark machen und einsetzen. Ich hätte mir in dieser Debatte in der letzten Woche mehr Sachkenntnis in der einen oder anderen Diskussion gewünscht, aber heute ist es eine sehr zugewandte, sehr solidarische. Die Jusos haben mich hier sehr unterstützt in Hessen und dafür danke ich den Jusos in Hessen ausdrücklich.“
Am Ende sind es gut 94 Prozent Ja-Stimmen für Nancy Faeser. Die Partei traut ihr offenbar am 8. Oktober einiges zu.
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