Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Zehn Jahre Verkehrsflughafen Kassel-Calden

Apr. 4, 2023

Nicht beendet ist dagegen die Zitterpartie an einem anderen Regionalflughafen und zwar im nordhessischen Kassel Calden. Das Problem: Der Kassel Airport macht jedes Jahr Verluste in Millionenhöhe – und das zahlt der Steuerzahler, denn der Flughafen ist in öffentlicher Hand. Heute wird er zehn Jahre alt – noch viel älter ist allerdings der Streit: Macht der kleine Airport Sinn oder nicht?
Ausgerechnet am zehnten Geburtstag des Kassel Airports hebt keine einzige Passagiermaschine ab. Selbst zu Spitzenzeiten starten hier höchstens 15 Maschinen am Tag. Doch für Geschäftsführer Lars Ernst ist das ein wirtschaftlicher Erfolg.
Lars Ernst, Geschäftsführer Kassel Airport
„Wir haben es geschafft, uns als Regionalflughafen zu etablieren, wir haben es geschafft, ein regelmäßiges Flugangebot anzubieten. Von daher haben wir in den letzten zehn Jahren unsere Hausaufgaben gemacht.“
Eine Million Passagiere im Jahr – das war das ambitionierte Ziel, als der Airport eröffnet wurde. Doch der bisherige Rekord lag bei 130.000 Passagieren. Jedes Jahr macht der Flughafen mehr als fünf Millionen Euro Verlust.
Schon lange scheiden sich am Airport die Geister: Auf der einen Seite steht die Flughafen-Leitung und die Politik – die wollte mit dem Airport Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft in das strukturschwache Nordhessen bringen. Auf der anderen Seite stehen Stimmen wie der Steuerzahlerbund Hessen – der zieht eine ganz andere Bilanz zum runden Geburtstag.
Joachim Papendieck, Bund der Steuerzahler Hessen
„Leider hat sich der Kassel Airport zu einem Fass ohne Boden entwickelt. Zusätzlich zu den 300 Millionen knapp Investitionskosten am Anfang haben wir jetzt noch 5 Millionen pro Jahr Betriebsdefizit und ein Ende ist nicht absehbar.“
Der Flughafenchef stellt klar: Das Defizit habe sich seit der Gründung des Airports von acht Millionen auf nun fünf Millionen reduziert – und solle in Zukunft weiter sinken.
Lars Ernst, Geschäftsführer Kassel Airport
„Ich glaube, die Zahlen zeigen ja, dass wir auf einem guten Weg sind und dass wir die Zukunft weiter gestalten wollen.“
Joachim Papendieck, Bund der Steuerzahler Hessen
„Im Moment sehe ich diese Perspektive, zu einem ausgeglichenen Betriebsergebnis zu kommen, nicht. Aber natürlich muss man alle Anstrengungen unternehmen, um das Ergebnis zu verbessern, weil so kann es nicht bleiben.“

Lars Ernst argumentiert: Selbst wenn ein Flughafen der Miese macht, kann er Gewinn für die Region.
Lars Ernst, Geschäftsführer Kassel Airport
„So ein Flughafen muss ja auch gesamtwirtschaftlich und volkswirtschaftlich betrachtet werden. Da entstehen Steuereinnahmen und andere Einnahmen, die uns betriebswirtschaftlich nicht zugerechnet werden, die aber grundsätzlich als volkswirtschaftlicher Ertrag zu werten sind.“
Rund 40 Unternehmen haben sich am Flughafen Kassel angesiedelt – sie geben mehr als 1.100 Menschen Arbeit. Die Unternehmen und ihre Beschäftigten würden durch Steuern Geld in die Kassen der Kommunen spülen.
Joachim Papendieck, Bund der Steuerzahler Hessen
„Aber man müsste sich genau anschauen, welche Einnahmen, welches Gewerbe nur dort angesiedelt ist, weil es den Flughafen gibt und welches auch sonst hätte angesiedelt werden können und das ist schwer auseinanderzuhalten.“
Unterm Strich bleibt: Solange der Flughafen jährlich Millionen Euro Steuergeld verschlingt, wird auch der Streit weitergehen. Nur die Zukunft wird zeigen: War der Airport Kassel eine wirtschaftliche Bruchlandung – oder kann er doch noch wirtschaftlich durchstarten?

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