Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Kinder- und Jugendhilfemonitor vorgestellt

Dez. 16, 2022

Geht es den Kindern in diesen schwierigen Zeiten gut? Das ist eine große Frage. Seit 20 Jahren schaut Rheinland-Pfalz so genau auf die Situation seiner Kinder und Jugendlichen wie kaum ein anderes Bundesland. Der Kinder- und Jugendmonitor zeichnet alle drei Jahre ein scharfes wissenschaftliches Bild, wie es um das Kindeswohl bestellt ist. Nachdem die letzten drei Jahre besonders durch die Pandemie geprägt waren, sind es nun die neuen Krisen, die junge Menschen belasten.
Knapp 730 Millionen Euro hat Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr für Kinder- und Jugendhilfe ausgegeben. Dabei stiegen allein die Kosten für die Unterbringung von Jugendlichen in Not seit 2015 um fast 115%. Die Familienministerin erwartet, dass die Kosten weiter steigen werden.
Katharina Binz, Bündnis ’90 / Grüne, Familienministerin Rheinland-Pfalz
„Die Krisen sind ja nicht weniger geworden sondern haben sich vermehrt, wenn man das so sagen darf, und das führt eben auch zu stärkeren Belastungen. Das wird dazu führen, dass die Kinder- und Jugendhilfe auch in Zukunft stark beansprucht wird, insbesondere von den Familien, von den Kindern und Jugendlichen, die sowieso nicht die besten Startchancen haben, das heißt, wo das Familienleben geprägt ist von Armut, von Arbeitslosigkeit.“
Der heute vorgestellte Bericht zeigt dabei starke regionale Unterschiede. In Städten wie Pirmasens und Idar-Oberstein, also Regionen mit niedrigem Durchschnittseinkommen, ist der Bedarf an Erziehungshilfe mit Abstand am größten.
Gleichzeitig hat sich gezeigt: Auch in der Zeit von Lockdowns und geschlossenen Schulen hat die Warnmeldekette zu den Jugendämtern bei Kindeswohlgefährdungen weiter funktioniert.
Denise Hartmann-Mohr, Jugendamtsleiterin Kreis Germersheim
„Ich möchte es wirklich mal benennen, ein siebenjähriges Mädchen, das mir morgens, als ich auf die Arbeit gegangen bin, gesagt hat: ‚Gehörst du hier zum Jugendamt? Weil ich glaube, ich will nicht mehr nach Hause‘. Das sind Dinge, wo man einerseits beklommen reagiert und fragt: ‚Oh Gott, was ist hier los?‘, auf der anderen Seite zeigt es aber, dass unsere Präsenz und Präventionsarbeit fruchtet und sich das Image des Jugendamts auch durch die Corona-Zeit verändert hat.“
Die größte Herausforderung in der Kinder- und Jugendhilfe sei derzeit gutes Fachpersonal zu finden. Der Chef des rheinland-pfälzischen Landkreistages Burkhard Müller fordert deshalb eine bessere Besoldung im öffentlichen Dienst.
Die rheinland-pfälzische Familienministerin Katharina Binz will aber auch die Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen verbessern. Die Zeit sei reif für eine bundesweite Kindergrundsicherung.