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Ärger über Schließung von Bankfilialen

Nov. 29, 2022

Immer weniger Kunden gehen in die Bankfilialen. Hier ist der Grund vor allem das Online Banking – bequem von zuhause. Die Raiffeisenbank Hochtaunus hat daher jetzt eine weitreichende Entscheidung getroffen: Als erste Genossenschaftsbank überhaupt schafft die Raiffeisenbank Hochtaunus ihre Filialen ab – und zwar gleich alle auf einmal.
Aus „Meine Bank“ wird „Keine Bank“: So wie hier ihn Steinbach – eine von vier Filialen der Raiffeisenbank Hochtaunus, die zum ersten Dezember für immer ihre Pforten schließen. Bei manchen Kunden kommt das gar nicht gut an.
Brigitte Sachs
„Bin natürlich enttäuscht, dass hier die Raiffeisenbank zu macht. Auch von älteren Leuten habe ich gehört, die sind entsetzt da drüber. Richtig entsetzt. Weil, ja – was sollste machen, ne?“
Die Filialen in Steinbach, Oberursel und Wehrheim sind ab übermorgen Geschichte – erhalten bleibt lediglich die Zentrale in Bad Homburg. Mit uns über diesen radikalen Schritt reden will die Raiffeisenbank nicht – teilt uns zur Begründung aber schriftlich mit:
„Das Kundenverhalten hat sich in den letzten Jahren total verändert, was durch Corona noch verstärkt wurde. Die Verbraucher wollen niedrige oder keine Kontoführungskosten, das bieten wir schon seit einigen Jahren. Sie wollen auch weiterhin Beratung. Aber das muss nicht unbedingt vor Ort sein.“ (Raiffeisenbank Hochtaunus)
Im Durchschnitt seien nur noch zwei Kunden pro Stunde in die Filialen gekommen. Das stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten. Zudem biete man den Kunden ja schon seit Langem ein kostenloses Online-Konto an, dazu eine Karte, mit der man weltweit kostenlos Bargeld abheben könne.
Das Aus für die kleine Filiale vor Ort: Für den Bankenexperten Jürgen Moormann von der Frankfurt School auf Finance and Management keine überraschende Entwicklung.
Prof. Dr. Jürgen Moormann, Frankfurt School of Finance & Management
„Der Trend, Banken und Filialen zurückzubauen, besteht seit vielen Jahren. Seit Anfang der 90er Jahre eigentlich schon. Im Durchschnitt etwa verschwinden 1.000 Filialen im Jahr. Das waren im letzten Jahr deutlich mehr – über 2.000. Und im Vorjahr auch. Das heißt – dieser Trend hat sich beschleunigt.“
Aber kratzt der Trend zur Schließung der Filialen nicht letztlich auch am Image eines Traditionshauses wie der Raiffeisebank? „Nein“, sagt der Experte – entscheidend sei ein gutes Angebot trotz des enormen Kostendrucks für die Banken, etwa durch die niedrigen Zins-Margen und die stetig wachsende Online-Konkurrenz.
Prof. Dr. Jürgen Moormann, Frankfurt School of Finance & Management
„Die Veränderungen werden sicher dahin gehen, dass man sich lösen muss von dem klassischen Begriff der Bank und dem Betreiben von Filialen. Und der Idee, dass der Bankkaufmann, die Bankkauffrau dort ist und persönlich berät. Ich glaube, die Zeiten sind ganz schlicht vorbei.“
Für viele Kunden vor Ort wie hier in Wehrheim eine traurige Wahrheit.
Enrico Velke
„Wenn das jetzt alles nur noch online ist, dann ist das schwierig nachzuvollziehen. Sei es mal beim Stromausfall oder irgendwas. Dann steht man da und kommt an kein Geld ran.“
Dagmar Weigert
„Das bedeutet für meine Mutter, die kein Online-Banking macht und das mit 87 auch nicht mehr anfängt, dass wir uns eine andere Bank suchen müssen und dass wir jetzt eben die Konten aufgelöst haben hier.“
Wie viele Kunden diesen Schritt ebenfalls gehen, werden die kommenden Tage zeigen.