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Galeria Karstadt Kaufhof will Filialen schließen

Nov. 1, 2022

Es ist eine Krise ohne Ende: Die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ist mal wieder pleite. Es ist bereits das zweite Insolvenzverfahren seit 2020. Und wenn es auch unter einem Schutzschirm weitergeht, so wird es dennoch große Einschnitte geben. Davon könnten in unserer Region auch die Kaufhäuser in Frankfurt, Wiesbaden oder Mainz betroffen sein. Tausende Mitarbeiter sind von einer Kündigungswelle bedroht.
 
Aus „geöffnet“ könnte bald „geschlossen“ werden. Auch wenn es der Andrang in den beiden Galeria-Filialen in der Frankfurter Innenstadt nicht vermuten lässt – die letzte großen Warenhauskette hierzulande plagen wieder Geldsorgen. Deshalb soll nun jedes dritte Kaufhaus geschlossen werden, betriebsbedingte Kündigungen seien unvermeidbar. Rein rechnerisch könnte das ein Drittel der bundesweit 17.000 Mitarbeiter ihren Job kosten. Ein Schock für die Angestellten und Gewerkschafter.
Marcel Schäuble, ver.di-Landesbezirk Hessen: „Große Enttäuschung darüber, dass wieder die Beschäftigten die Zeche zahlen müssen für anhaltendes Missmanagement. Sie liegen mittlerweile 15 Prozent unter dem Tariflohn, das gibt es auch nichts mehr groß, was sie hergeben könnten. Von daher dürften das schwierige Verhandlungen werden.“
Bislang sei der Konzern nicht auf das Gesprächsangebot der Gewerkschaft eingegangen. Galeria hatte im vergangenen Geschäftsjahr laut eigenen Angaben einen Verlust von über 620 Millionen Euro. Die hohe Inflation habe die Kette schwer getroffen, sie müsse allein für Energie in den kommenden beiden Jahren über 150 Millionen mehr aufbringen. Dabei hat der Konzern in den vergangenen beiden Jahren bereits Staatshilfen von 680 Millionen Euro aus Steuergeldern erhalten, tausende Stellen abgebaut und insgesamt 40 Filialen geschlossen. Allein in Hessen und Rheinlandpfalz sank die Zahl von einstmals 29 Kaufhäusern auf inzwischen 20. Das wirkt sich auch negativ auf die Innenstädte aus.
Angela Stoehr, Galeria-Kundin: „Also ich find’s schon schade, weil das immer was anderes ist, ob man irgendwo anonym online bestellt oder ob man hier etwas Beratung bekommt. Und einfach mal durchgucken und ein paar Sachen anprobieren kann.“
Katharina, Galeria-Kundin: „Viele Geschäfte schließen ja momentan und wo soll man denn sonst irgendetwas Schönes finden? Ich finde das schon sehr schade. Denn die haben schon sehr viel Auswahl, dort findet man wirklich alles.“
Nun versucht es die Galeria-Kette erneut mit einem Rettungsschirm. Dabei übernimmt ein sogenannter Sachwalter die Aufsicht, im Gegensatz zum Insolvenzverfahren behält die Unternehmensführung aber weitgehend die Kontrolle. Die Gewerkschaft Verdi fordert, dass nun Galeria-Eigentümer René Benko mehr Geld in die Kaufhauskette steckt.
Marcel Schäuble, ver.di-Landesbezirk Hessen: „Er zieht viel Geld aus der Gesellschaft, macht mit seinen Mutterkonzernen großartige Gewinne, aber investiert nichts oder so gut wie kaum etwas.“
Zuletzt hat der Konzern weitere staatliche Hilfsgelder gefordert, der Bund hat das aber bereits abgelehnt. In Frankfurt und anderen Städten wissen die Galeria-Mitarbeiter nicht, was nun aus ihren Filialen wird.