Verbraucher leiden unter hohen Energiepreisen
„Wie sollen wir das bloß bezahlen?“ – Diesen Satz hört man jetzt immer häufiger. Grund sind die immens gestiegenen Energiekosten, vor allem Gas wird zum knappen und – wie es manche Energieversorger bereits offen formulieren – zum extrem teuren Gut. Was ist, wenn selbst Normalverdiener die Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Wird dann Strom und Gas tatsächlich abgestellt? Die Sorge vor dem Frieren in einer kalten Wohnung, wird sie ab Herbst für manche bittere Realität?
Das Gas zum Kochen und Heizen – es wird in Kürze deutlich teurer werden. Preissteigerungen um mehr als das Doppelte bringen viele Verbraucher an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten. Einem normalen Familienhaushalt drohen Mehrkosten von bis zu 350 Euro. Nicht etwa pro Jahr, sondern pro Monat! Viel Geld, das irgendwo abgeknapst werden muss:
Gisela von Waldthausen, Medizinische Assistentin
„Keinen Urlaub, denke ich. Und ich sage mal, solche Geschichten wie Kino und schön ins Theater oder zum Festival – wird wohl nicht gehen. Und die Weihnachtsgeschenke werden auch ein bisschen geringer werden.“
Rebecca Arnold, Gastronomie-Angestellte
„Wir haben eine kleine Standheizung geholt für uns und damit wird dann morgens das Bad ein paar Minuten aufgewärmt zum Fertigmachen.“
Notburga Lutz, Rentnerin
„Ich glaube, da muss ich ausziehen. Ich komme aus Südtirol. Ich habe auch schon überlegt, in meine Heimat zurückzuwandern, in mein kleines Dorf, weil die haben auch gesagt: Was willst du in Deutschland? Es wird immer teurer.“
Die Bundesregierung versucht, aktuell gegenzusteuern. Bundeskanzler Olaf Scholz verkündete gestern die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf sieben Prozent. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Weitere Entlastungen sollen folgen. Wie die konkret aussehen werden – noch unklar.
Klar ist allerdings: Aufgrund der hohen Energiepreise werden auch Menschen unter finanziellen Druck geraten, für die es bislang kein Thema war, zu schauen, wie man mit dem Geld bis zum Monatsende hinkommt. Die Verbraucherzentralen berichten über einen regelrechten Ansturm von besorgten Anrufern. Sorge vor dem Sturz in die sogenannte ‚Energie-Armut‘. Denn wer zwei Monate hintereinander den Abschlag nicht zahlen kann, dem droht das Abstellen von Strom und Gas durch den Versorger.
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Eva Dieterle, Moderatorin: Die rasante Preiserhöhung im Energiebereich lässt auch die Sorgen der Verbraucher rasant steigen. Und darüber spreche ich jetzt mit Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen. Guten Abend.
Philipp, Wendt, Vorstand Verbraucherzentrale Hessen: Guten Abend.
Dieterle: Herr Wendt, wie dürfen wir uns das gerade vorstellen in so einer Verbraucherzentrale? Da laufen doch alleine beim Thema Energie die Telefone gerade heiß, oder?
Wendt: Tatsächlich ist das Thema Energie, Energie einsparen, Energiepreise, das in diesem Jahr absolut beherrschende Thema. Wenn ich vielleicht zum Einstieg ein paar Zahlen nennen darf, wenn ich diese Anruferzahlen, die Beratungszahlen mit dem Vorjahr vergleiche, dann haben sich die im ersten Halbjahr 2022 zum Vorjahr mehr als verzehnfacht. Die Menschen, die bei uns da sind, rufen an und wissen schlicht nicht, wie sie die Abschlagszahlungen im Moment bezahlen sollen zum Teil.
Dieterle: Wenn die Menschen bei ihnen anrufen, was raten Sie dann? Was kann denn an Tipps von Hhrer Seite gegeben werden?
Wendt: Also, natürlich muss man gucken, ist einsparen, Energie einsparen möglich? Das ist natürlich bei den Preissteigerungen, über den wir im Moment reden, 100% zum Teil in den aktuellen Phasen weiterer Preisanpassung werden ja wahrscheinlich möglicherweise noch kommen. Dann muss man gucken: Kann man da noch was reduzieren? Und es sind immer noch bis zu 20% Einsparung tatsächlich in Einzelfällen noch möglich in den einzelnen Wohnungen. Auch wenn ich die Wohnung nur zur Miete habe und nicht sanieren kann. Wenn die die Preisanpassung kommt, dann muss man natürlich noch mal genauer hingucken.
Dieterle: Gibt es Tipps über die reine Energiesparberatung hinaus?
Wendt: Also, wenn die Preisanpassung da ist, dann muss man natürlich als Verbraucherin und Verbraucher damit offensiv umgehen. Man muss gucken, ob man sich das leisten kann. Man muss auch gucken, ob die Preisanpassung im Einzelfall rechtmäßig und zulässig ist. Dabei unterstützen wir als Verbraucherzentralen in der Beratung. Und wenn man dann merkt, man kann nicht zahlen oder man muss dann sehen, dann empfehlen wir tatsächlich, in die Beratungsstelle zu kommen, damit wir unterstützen können, und gegebenenfalls mit dem Energieanbieter, mit dem Energieversorger vermittelnd tätig werden.
Dieterle: Das heißt also, die Verbraucherzentrale wird auch selbst ganz praktisch aktiv und verhandelt dann zum Beispiel Ratenzahlungen?
Wendt: Wir bezahlen Ratenzahlungen, Stundungen oder probieren, die Menschen dann gemeinsam mit dem Jobcenter, mit der Arbeitsverwaltung dazu zu bekommen, dass man dort andere Unterstützung bekommt, wenn die Nachzahlung so groß ist, dass die Menschen sich das nicht alleine leisten können.
Dieterle: Wenn ich jetzt Fragen habe und den Bedarf einer Beratung, besteht da überhaupt noch die Chance, bei Ihnen gerade einen Termin zu bekommen?
Wendt: Also, wir bieten zum gerade zum Thema Energiekosten kostenfreie Hotlines an. Auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Moment in der Sommerpause, auch wir hatten Corona-Ausfälle – es kann sein, dass sie zweimal anrufen müssen, aber wir bemühen uns sehr, den großen Andrang zu bewältigen.
Dieterle: Das heißt, der Bedarf kann gedeckt werden.
Wendt: Der Bedarf kann gedeckt werden. Wir werden alles dransetzen. Was die Verbraucherinnen und Verbraucher bedenken sollten, sie sollten, wenn die Preisanpassung kommt, unbedingt ihren Zählerstand dokumentieren. Wir wollen nicht, dass hier Schätzungen gemacht werden durch die Energieversorger, die dann noch mal teurer werden am Ende für die Verbraucher.
Dieterle: Verbraucherschützer fordern ja, dass dieses Abstellen von Gas und Strom bei nicht bezahlter Rechnung gestoppt werden soll, verboten werden soll. Die Frage ist natürlich, was machen dann die Anbieter? Die brauchen ja auch Einnahmen. Wie lange sollen die in Vorleistung gehen?
Wendt: Also, wir sagen jetzt: Solange der Notfallplan Gas in Kraft ist, sollte von Energiesperren abgesehen werden in dem Moment. Da müssen wir andere Lösungen finden, wie die Energieversorger solvent bleiben. Wir müssen dann gucken, wenn dieser Winter vorbei ist, wie wir die Menschen mit gezielten Programmen wieder aus der Entschuldung herausbekommen. Auch die Energieversorger, da haben Sie recht, müssen irgendwann zu ihrem Geld kommen. Im Moment müssen wir sehen, dass die Menschen nicht ohne Heizung dastehen in der kommenden Heizperiode.
Dieterle: Sehen Sie da auch die Politik in der Verantwortung? Fordern Sie da was?
Wendt: Also die Politik sollte neben dem, dass sie jetzt an Energiesperrenmoratorium, wie wir es nennen, auf den Weg bringt, muss sie natürlich Unterstützungspakete auf den Weg bringen, um dann zu einer gezielten strukturierten Entschuldung beizutragen der Menschen.
Dieterle: Ganz wichtiges Thema, viele Informationen von Ihnen, Herr Wendt. Vielen Dank dafür.
Wendt: Ich danke Ihnen.
Das Gas zum Kochen und Heizen – es wird in Kürze deutlich teurer werden. Preissteigerungen um mehr als das Doppelte bringen viele Verbraucher an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten. Einem normalen Familienhaushalt drohen Mehrkosten von bis zu 350 Euro. Nicht etwa pro Jahr, sondern pro Monat! Viel Geld, das irgendwo abgeknapst werden muss:
Gisela von Waldthausen, Medizinische Assistentin
„Keinen Urlaub, denke ich. Und ich sage mal, solche Geschichten wie Kino und schön ins Theater oder zum Festival – wird wohl nicht gehen. Und die Weihnachtsgeschenke werden auch ein bisschen geringer werden.“
Rebecca Arnold, Gastronomie-Angestellte
„Wir haben eine kleine Standheizung geholt für uns und damit wird dann morgens das Bad ein paar Minuten aufgewärmt zum Fertigmachen.“
Notburga Lutz, Rentnerin
„Ich glaube, da muss ich ausziehen. Ich komme aus Südtirol. Ich habe auch schon überlegt, in meine Heimat zurückzuwandern, in mein kleines Dorf, weil die haben auch gesagt: Was willst du in Deutschland? Es wird immer teurer.“
Die Bundesregierung versucht, aktuell gegenzusteuern. Bundeskanzler Olaf Scholz verkündete gestern die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf sieben Prozent. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Weitere Entlastungen sollen folgen. Wie die konkret aussehen werden – noch unklar.
Klar ist allerdings: Aufgrund der hohen Energiepreise werden auch Menschen unter finanziellen Druck geraten, für die es bislang kein Thema war, zu schauen, wie man mit dem Geld bis zum Monatsende hinkommt. Die Verbraucherzentralen berichten über einen regelrechten Ansturm von besorgten Anrufern. Sorge vor dem Sturz in die sogenannte ‚Energie-Armut‘. Denn wer zwei Monate hintereinander den Abschlag nicht zahlen kann, dem droht das Abstellen von Strom und Gas durch den Versorger.
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Eva Dieterle, Moderatorin: Die rasante Preiserhöhung im Energiebereich lässt auch die Sorgen der Verbraucher rasant steigen. Und darüber spreche ich jetzt mit Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen. Guten Abend.
Philipp, Wendt, Vorstand Verbraucherzentrale Hessen: Guten Abend.
Dieterle: Herr Wendt, wie dürfen wir uns das gerade vorstellen in so einer Verbraucherzentrale? Da laufen doch alleine beim Thema Energie die Telefone gerade heiß, oder?
Wendt: Tatsächlich ist das Thema Energie, Energie einsparen, Energiepreise, das in diesem Jahr absolut beherrschende Thema. Wenn ich vielleicht zum Einstieg ein paar Zahlen nennen darf, wenn ich diese Anruferzahlen, die Beratungszahlen mit dem Vorjahr vergleiche, dann haben sich die im ersten Halbjahr 2022 zum Vorjahr mehr als verzehnfacht. Die Menschen, die bei uns da sind, rufen an und wissen schlicht nicht, wie sie die Abschlagszahlungen im Moment bezahlen sollen zum Teil.
Dieterle: Wenn die Menschen bei ihnen anrufen, was raten Sie dann? Was kann denn an Tipps von Hhrer Seite gegeben werden?
Wendt: Also, natürlich muss man gucken, ist einsparen, Energie einsparen möglich? Das ist natürlich bei den Preissteigerungen, über den wir im Moment reden, 100% zum Teil in den aktuellen Phasen weiterer Preisanpassung werden ja wahrscheinlich möglicherweise noch kommen. Dann muss man gucken: Kann man da noch was reduzieren? Und es sind immer noch bis zu 20% Einsparung tatsächlich in Einzelfällen noch möglich in den einzelnen Wohnungen. Auch wenn ich die Wohnung nur zur Miete habe und nicht sanieren kann. Wenn die die Preisanpassung kommt, dann muss man natürlich noch mal genauer hingucken.
Dieterle: Gibt es Tipps über die reine Energiesparberatung hinaus?
Wendt: Also, wenn die Preisanpassung da ist, dann muss man natürlich als Verbraucherin und Verbraucher damit offensiv umgehen. Man muss gucken, ob man sich das leisten kann. Man muss auch gucken, ob die Preisanpassung im Einzelfall rechtmäßig und zulässig ist. Dabei unterstützen wir als Verbraucherzentralen in der Beratung. Und wenn man dann merkt, man kann nicht zahlen oder man muss dann sehen, dann empfehlen wir tatsächlich, in die Beratungsstelle zu kommen, damit wir unterstützen können, und gegebenenfalls mit dem Energieanbieter, mit dem Energieversorger vermittelnd tätig werden.
Dieterle: Das heißt also, die Verbraucherzentrale wird auch selbst ganz praktisch aktiv und verhandelt dann zum Beispiel Ratenzahlungen?
Wendt: Wir bezahlen Ratenzahlungen, Stundungen oder probieren, die Menschen dann gemeinsam mit dem Jobcenter, mit der Arbeitsverwaltung dazu zu bekommen, dass man dort andere Unterstützung bekommt, wenn die Nachzahlung so groß ist, dass die Menschen sich das nicht alleine leisten können.
Dieterle: Wenn ich jetzt Fragen habe und den Bedarf einer Beratung, besteht da überhaupt noch die Chance, bei Ihnen gerade einen Termin zu bekommen?
Wendt: Also, wir bieten zum gerade zum Thema Energiekosten kostenfreie Hotlines an. Auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Moment in der Sommerpause, auch wir hatten Corona-Ausfälle – es kann sein, dass sie zweimal anrufen müssen, aber wir bemühen uns sehr, den großen Andrang zu bewältigen.
Dieterle: Das heißt, der Bedarf kann gedeckt werden.
Wendt: Der Bedarf kann gedeckt werden. Wir werden alles dransetzen. Was die Verbraucherinnen und Verbraucher bedenken sollten, sie sollten, wenn die Preisanpassung kommt, unbedingt ihren Zählerstand dokumentieren. Wir wollen nicht, dass hier Schätzungen gemacht werden durch die Energieversorger, die dann noch mal teurer werden am Ende für die Verbraucher.
Dieterle: Verbraucherschützer fordern ja, dass dieses Abstellen von Gas und Strom bei nicht bezahlter Rechnung gestoppt werden soll, verboten werden soll. Die Frage ist natürlich, was machen dann die Anbieter? Die brauchen ja auch Einnahmen. Wie lange sollen die in Vorleistung gehen?
Wendt: Also, wir sagen jetzt: Solange der Notfallplan Gas in Kraft ist, sollte von Energiesperren abgesehen werden in dem Moment. Da müssen wir andere Lösungen finden, wie die Energieversorger solvent bleiben. Wir müssen dann gucken, wenn dieser Winter vorbei ist, wie wir die Menschen mit gezielten Programmen wieder aus der Entschuldung herausbekommen. Auch die Energieversorger, da haben Sie recht, müssen irgendwann zu ihrem Geld kommen. Im Moment müssen wir sehen, dass die Menschen nicht ohne Heizung dastehen in der kommenden Heizperiode.
Dieterle: Sehen Sie da auch die Politik in der Verantwortung? Fordern Sie da was?
Wendt: Also die Politik sollte neben dem, dass sie jetzt an Energiesperrenmoratorium, wie wir es nennen, auf den Weg bringt, muss sie natürlich Unterstützungspakete auf den Weg bringen, um dann zu einer gezielten strukturierten Entschuldung beizutragen der Menschen.
Dieterle: Ganz wichtiges Thema, viele Informationen von Ihnen, Herr Wendt. Vielen Dank dafür.
Wendt: Ich danke Ihnen.









