Gedenkstätte für KZ-Opfer in den Adlerwerken
Während des Zweiten Weltkrieges schufteten Millionen Zwangsarbeiter in Deutschland. Nur durch diese oft brutale Sklavenarbeit konnte Nazi-Deutschland seinen Vernichtungskrieg so lange weiterführen. Die Adlerwerke in Frankfurt richteten ein eigenes KZ ein. Nun – fast 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg – gibt es endlich einen Gedenkort: für das KZ-Katzbach.
„Ich habe in keinem Lager eine derart schlechte Behandlung durch SS-Männer erfahren wie in diesem Lager.“ (Heinz Aber, Häftling)
„Die Läuse fraßen uns damals am lebendigen Leib auf. Wir nagten an unseren Fingernägeln, um uns nicht zufällig zu kratzen. Die Läuse versammelten sich schnell um eine solche Wunde.“ (Wladyslaw Jarocki, Häftling)
„An den Bürgersteigen standen Menschen. Sie müssen gesehen haben, wie wir aussahen und dass wir Leichen trugen.“(Rysuard Olek, Häftling).
Sehen konnten es viele – nur erinnern wollte man sich lange nicht – an ein KZ mitten in Frankfurt.
Thomas Altmeyer, Leiter Geschichtsort Adlerwerke
„Hier waren 1.616 KZ-Häftlinge inhaftiert. Das KZ war sehr mörderisch, ein Drittel der Häftlinge starb direkt hier vor Ort, weitere bei der Verlegung in andere Konzentrationslager.“
Die Adlerwerke prägen lange Zeit das Frankfurter Gallusviertel: Hier werden seit 1880 beispielsweise Schreibmaschinen, später auch Autos hergestellt. Nach der Weltwirtschaftskrise profitieren die Adlerwerke von Hitlers schuldenfinanzierten Arbeitsbeschaffungsprogrammen, im Zweiten Weltkrieg durch die Produktion von Kriegsgerät. Der Arbeitskräftebedarf Deutschlands ist enorm.
Weil die Anwerbung Freiwilliger aus dem Ausland meist nicht funktioniert, verschleppt das Deutsche Reich Millionen Zivilisten – etwa aus der Ukraine. Rund 50.000 von ihnen arbeiten in Unternehmen in ganz Frankfurt – wie in den Adlerwerken. Die Fabrik richtet im Sommer 1944 ein eigenes KZ ein. 1.616 Häftlinge – die meisten sind Polen – arbeiten dort unter miserablen Bedingungen.
Der Lagerkommandant Erich Franz bringt es kaltblütig auf den Punkt.
Erich Franz, Lagerkommandant
„Die Häftlinge sollen arbeiten oder sterben.“
Die Parole der Nazis lautet: „Vernichtung durch Arbeit“. Der Häftling Sygmund Zwistak hat Zeichnungen vom KZ-Alltag angefertigt. Zwistak – hier rechts im Bild – verliert in Katzbach seinen Vater, seinen Bruder und seinen besten Freund Zladislaw Bittner. Seine Zeichnungen lassen nur erahnen, was zwölf Stunden Schwerstarbeit, wenig Essen und sadistische SS-Männer bedeuten, denen auch die Kinder ausgeliefert sind. SS-Männer hängen ihnen Schilder um mit den Namen „Churchill“ oder „Stalin“.
Grafik
„Sobald sich die Rote Armee auf dem Vormarsch war, wurde Stalin geschlagen und musste für die Wut und Aggression aufkommen.“
Im März 1945, kurz vor Einmarsch der Amerikaner, treibt die SS die letzten Häftlinge, die noch gehen konnten, in Richtung des hessischen Hünfeld – doch der Weg war das eigentliche Ziel. Denn die Häftlinge sollen während des Todesmarschs sterben. Die wenigsten überlebten.
Video Andrzej Branecki, ehemaliger Häftling KZ-Katzbach
„Wenn wir marschierten, hakten wir uns unter auf beiden Seiten. Ich hatte scheinbar noch so viel Kraft, dass wir einen Mitgefangenen eine Zeitlang führten. Am Ende bewegte er schon nicht mehr die Beine. Wir haben ihn gezogen und am Ende sagte er: „Lasst mich.“
Keiner der Täter aus dem KZ Katzbach – wie Erich Franz – werden je belangt. Nach dem Krieg stehen dieselben an der Spitze des Unternehmens wie vor Kriegsende.
Elke Sautner, Förderverein für Gedenkstätte KZ-Katzbach
“Und die haben verhindert, dass darüber geredet und dass das gemacht wurde. und die meisten Leute waren erst mal froh, dass sie Arbeit hatten.“
Es war ein langer Weg, bis sich am 19. März 2022 1.616 Menschen zum Gedenken am Main aufreihten – ein Mensch für jeden Häftling des KZ, dort wo die Häftlinge auf dem Todesmarsch entlang getrieben wurden. Von 1.616 Häftlingen erleben nur noch zwei die Eröffnung des Gedenkortes.
Zbigniew Muszyński, Überlebender
„Es freut mich zu hören, dass die Deutschen den Geschichtsort ‚Adlerwerke: Fabrik – Zwangsarbeiten – Konzentrationslager‘ eröffnen. Jeder sollte von den unmenschlichen Taten der deutschen Nazis während des Zweiten Weltkriegs wissen.“
Zygmunt Šwistak, Überlebender
“Ich bedauere, dass die vier Überlebende, die die Adlerwerke mit mir einige Jahre zuvor besuchen konnten, verstorben sind und nicht mehr diesen großartigen Erfolg miterleben können.“
„Ich habe in keinem Lager eine derart schlechte Behandlung durch SS-Männer erfahren wie in diesem Lager.“ (Heinz Aber, Häftling)
„Die Läuse fraßen uns damals am lebendigen Leib auf. Wir nagten an unseren Fingernägeln, um uns nicht zufällig zu kratzen. Die Läuse versammelten sich schnell um eine solche Wunde.“ (Wladyslaw Jarocki, Häftling)
„An den Bürgersteigen standen Menschen. Sie müssen gesehen haben, wie wir aussahen und dass wir Leichen trugen.“(Rysuard Olek, Häftling).
Sehen konnten es viele – nur erinnern wollte man sich lange nicht – an ein KZ mitten in Frankfurt.
Thomas Altmeyer, Leiter Geschichtsort Adlerwerke
„Hier waren 1.616 KZ-Häftlinge inhaftiert. Das KZ war sehr mörderisch, ein Drittel der Häftlinge starb direkt hier vor Ort, weitere bei der Verlegung in andere Konzentrationslager.“
Die Adlerwerke prägen lange Zeit das Frankfurter Gallusviertel: Hier werden seit 1880 beispielsweise Schreibmaschinen, später auch Autos hergestellt. Nach der Weltwirtschaftskrise profitieren die Adlerwerke von Hitlers schuldenfinanzierten Arbeitsbeschaffungsprogrammen, im Zweiten Weltkrieg durch die Produktion von Kriegsgerät. Der Arbeitskräftebedarf Deutschlands ist enorm.
Weil die Anwerbung Freiwilliger aus dem Ausland meist nicht funktioniert, verschleppt das Deutsche Reich Millionen Zivilisten – etwa aus der Ukraine. Rund 50.000 von ihnen arbeiten in Unternehmen in ganz Frankfurt – wie in den Adlerwerken. Die Fabrik richtet im Sommer 1944 ein eigenes KZ ein. 1.616 Häftlinge – die meisten sind Polen – arbeiten dort unter miserablen Bedingungen.
Der Lagerkommandant Erich Franz bringt es kaltblütig auf den Punkt.
Erich Franz, Lagerkommandant
„Die Häftlinge sollen arbeiten oder sterben.“
Die Parole der Nazis lautet: „Vernichtung durch Arbeit“. Der Häftling Sygmund Zwistak hat Zeichnungen vom KZ-Alltag angefertigt. Zwistak – hier rechts im Bild – verliert in Katzbach seinen Vater, seinen Bruder und seinen besten Freund Zladislaw Bittner. Seine Zeichnungen lassen nur erahnen, was zwölf Stunden Schwerstarbeit, wenig Essen und sadistische SS-Männer bedeuten, denen auch die Kinder ausgeliefert sind. SS-Männer hängen ihnen Schilder um mit den Namen „Churchill“ oder „Stalin“.
Grafik
„Sobald sich die Rote Armee auf dem Vormarsch war, wurde Stalin geschlagen und musste für die Wut und Aggression aufkommen.“
Im März 1945, kurz vor Einmarsch der Amerikaner, treibt die SS die letzten Häftlinge, die noch gehen konnten, in Richtung des hessischen Hünfeld – doch der Weg war das eigentliche Ziel. Denn die Häftlinge sollen während des Todesmarschs sterben. Die wenigsten überlebten.
Video Andrzej Branecki, ehemaliger Häftling KZ-Katzbach
„Wenn wir marschierten, hakten wir uns unter auf beiden Seiten. Ich hatte scheinbar noch so viel Kraft, dass wir einen Mitgefangenen eine Zeitlang führten. Am Ende bewegte er schon nicht mehr die Beine. Wir haben ihn gezogen und am Ende sagte er: „Lasst mich.“
Keiner der Täter aus dem KZ Katzbach – wie Erich Franz – werden je belangt. Nach dem Krieg stehen dieselben an der Spitze des Unternehmens wie vor Kriegsende.
Elke Sautner, Förderverein für Gedenkstätte KZ-Katzbach
“Und die haben verhindert, dass darüber geredet und dass das gemacht wurde. und die meisten Leute waren erst mal froh, dass sie Arbeit hatten.“
Es war ein langer Weg, bis sich am 19. März 2022 1.616 Menschen zum Gedenken am Main aufreihten – ein Mensch für jeden Häftling des KZ, dort wo die Häftlinge auf dem Todesmarsch entlang getrieben wurden. Von 1.616 Häftlingen erleben nur noch zwei die Eröffnung des Gedenkortes.
Zbigniew Muszyński, Überlebender
„Es freut mich zu hören, dass die Deutschen den Geschichtsort ‚Adlerwerke: Fabrik – Zwangsarbeiten – Konzentrationslager‘ eröffnen. Jeder sollte von den unmenschlichen Taten der deutschen Nazis während des Zweiten Weltkriegs wissen.“
Zygmunt Šwistak, Überlebender
“Ich bedauere, dass die vier Überlebende, die die Adlerwerke mit mir einige Jahre zuvor besuchen konnten, verstorben sind und nicht mehr diesen großartigen Erfolg miterleben können.“









