Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Hessen wird Kriegsflüchtlingen umfassend helfen

März 29, 2022

Der Flüchtlingszustrom aus der Ukraine reißt nicht ab. Mittlerweile sind viele Tausend Menschen in Rheinland-Pfalz und Hessen angekommen und es werden noch deutlich mehr werden. Das erfordert Spontanität, Hilfsbereitschaft und jede Menge Geld. Davon stelle der Bund zu wenig bereit, kritisiert Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier heute im Landtag. Gleichzeitig lobt er das Vorgehen seiner eigenen Landesregierung in der aktuellen Situation. Man sei auf einem guten Weg in Hessen. Er sieht aber auch ein: Ohne freiwillige Helfer geht es momentan nicht.
Und wieder einmal verlädt Peter Ehry Isomatten, Kissen und Decken in sein Auto. Schon in den nächsten Tagen sollen die Hilfsgüter bei Bedürftigen in der Ukraine landen. Seit Beginn des Krieges sammelt der Verein „Partnerschaft Deutschland – Ukraine / Moldova“ in Darmstadt Spenden für die Menschen im Krieg. Mit steigender Zahl der Flüchtlinge in Deutschland steigt aber auch der Bedarf an organisatorischer Hilfe hierzulande. Behördengänge, die Suche nach Unterkünften und die Vernetzung der Ukrainer untereinander sind nur einige Beispiele dafür.
Peter Ehry, Verein „Partnerschaft Deutschland – Ukraine / Moldova“
„Die Leute sind ja hier entweder in Flüchtlingsheimen oder in Privathäusern untergebracht, die haben ja untereinander keinen Kontakt. Dieser Kontakt, den wollen wir quasi fördern.“
Auch Anja Roth engagiert sich privat. Seit drei Wochen hat sie bei sich zu Hause eine Mutter mit ihren beiden Kindern im Alter von drei und sechszehn Jahren aufgenommen. Seitdem hat sich ihr Alltag grundlegend verändert. Eine finanzielle Unterstützung vonseiten des Landes oder der Stadt erhält sie nicht. Für den Moment könne sie das stemmen, nicht aber dauerhaft, erzählt sie uns. Langfristig muss also eine andere Lösung her. Heißt: Wohnraum, Wohnraum, Wohnraum. Wo aber soll der plötzlich herkommen?
Volker Bouffier, CDU, Ministerpräsident Hessen
„Um hier wenigstens etwas Abhilfe zu schaffen, wird die Landesregierung, wie in der Flüchtlingskrise 2015, die vielfältigen Bau- und insbesondere Bauordnungsvorschriften zur Nutzung bestehender Gebäude vorübergehend aussetzen.“
Solange die Brandschutz- und Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, soll es also ohne großen bürokratischen Aufwand möglich sein, leerstehende Gebäude als Unterkünfte zu nutzen. Und auch die Umnutzung bestehender Immobilien soll laut Landesregierung vereinfacht werden. Das sei aber nicht genug, kritisiert die SPD.
Günter Rudolph, SPD, Fraktionsvorsitzender Hessischer Landtag
„Wenn ich daran denke, wie kompliziert teilweise die Abrechnungsverfahren für die Kommunen sind, wenn sie Unterkünfte anbieten… Hier geht es darum, dass die Menschen ein Dach über den Kopf bekommen , schlafen können, ordentlich versorgt werden, und da brauchen wir keine kleinlich-bürokratischen Dinge, da erwarten wir, dass alle Behörden zusammenarbeiten, zum Wohle der Menschen.“
Auch um das Wohl der Flüchtlingskinder ging es heute im Landtag. Um ihnen so schnell wie es nur geht eine möglichst normale Umgebung zu bieten, habe das Land gemeinsam mit den Kommunen überall die Möglichkeit geschaffen, dass Kinder die Kita besuchen können.
Volker Bouffier, CDU, Ministerpräsident Hessen
„Gleiches gilt für die ukrainischen Schülerinnen und Schüler. Wir profitieren hier von unseren Erfahrungen aus der Flüchtlingskrise nach dem Jahr 2015.“
Zurzeit seien rund 1.300 ukrainische Flüchtlingskinder an hessischen Schulen untergebracht. Es sei noch Platz für 2.700 weitere.
In der Praxis sieht das etwas anders aus, erzählt uns Anja Roth. Die sechzehnjährige Sofiia darf trotz großer Bemühungen bisher nicht zur Schule. Und auch ihr kleiner Bruder hat noch keinen Kita-Platz. Grund seien – mal wieder – bürokratische Hürden.
Anja Roth, Gastmutter aus Darmstadt
„Ich habe da versucht, schon Kontakte aufzunehmen, aber irgendwie ist da, bei uns in der Stadt zumindest, noch keine Entscheidung getroffen, wie das unbürokratisch gelöst werden sollte.“
Die Familie hofft, dass sich das bald ändert, damit die Kinder endlich einen geregelten Tagesablauf haben und sich sozial integrieren können. Wenn sich dann noch eine Wohnung findet, kann die Familie endlich in ihr neues Leben in Deutschland starten. Bis dahin springt Anja Roth als ehrenamtliche Gastgeberin und Integrationshelferin ein. Koste es, was es wolle.