Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Zwei Jahre Corona

Feb. 25, 2022

Zwei Jahre Corona: Das sind zwei Jahre Einschränkungen, zwei Jahre menschliches Leid, zwei Jahre Balance-Akt zwischen Sicherheit für das Gesundheitssystem und Freiheit für die Wirtschaft. Vor rund zwei Jahren gab es die ersten beiden Fälle in Rheinland-Pfalz. Wir blicken zurück.
Neujahr 2020 – noch ahnt in Deutschland wohl niemand, was auf das Land zukommt. 8000 Kilometer entfernt breitet sich ein neues Virus rasend schnell aus, das die Welt verändern wird. Anfangs sehen darin nur wenige eine Gefahr:
Prof. Dr. Rene Gottschalk, Leiter Gesundheitsamt Frankfurt, 29.01.2020: „Wir sind im Moment überhaupt nicht in der Lage, wo die Bevölkerung irgendeine Maskenpflicht empfohlen werden sollte, absoluter Unsinn.“
Kai Klose (Bündnis 90 / Die Grünen), Hessischer Gesundheitsminister, 31.01.2020: „Wir sind immer in Bereitschaft, aber es gibt keinen Anlass zur Beunruhigung.“
Am 26. Februar gibt es den ersten Fall in Rheinland-Pfalz: Ein Bundeswehr-Soldat hatte sich  beim Karneval angesteckt. Zwei Tage später dann Hessen: In Wetzlar ist ein 31-Jähriger Corona-positiv – er war gerade aus Norditalien zurückgekehrt. Corona ist da.
Mario Albrecht, 27.02.2020: „Angst hab ich schon davor. Kann von heute auf morgen kann das die Stadt betreffen, oder das ganze Leben.“
Es ist der Beginn der 1. Welle: In beiden Bundesländern werden kurz danach täglich hunderte Neuinfektionen gemeldet, in Deutschland Tausende – mit Folgen:
Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz, 16.03.2020: „Es wird Einschränkungen geben im Bereich des öffentlichen Lebens.“
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident Hessen, 17.03.2020: „Eigentlich müsste man sagen, am besten trifft sich niemand mehr.“
Ab dem 22. März 2020 soll ein Lockdown die Welle brechen: Die Innenstädte –  leergefegt, Flugzeuge – am Boden, treffen dürfen sich nur Personen aus zwei Haushalten, in den Altenheimen gilt ein Besuchsverbot. Und tatsächlich: Im Mai bricht die Welle. Die Menschen genießen Lockerungen. Doch es ist eine trügerische Sicherheit – Reiserückkehrer und Treffen in Innenräumen sorgen ab September für steigende Infektionen. Offenbach wird zu einem bundesweiten Hotspot – mit einer Inzidenz von 50. In diesem Herbst wollen Gastronomen mit Heizpilzen ihr Geschäft sichern; Schulen sollen mit den „AHA-Regeln“ offen bleiben. Aber ab Oktober stecken sich erst tausende, dann Zehntausende Menschen täglich an – viele kommen in die Kliniken, Operationen werden verschoben.
Martina Volland, Pflegerin Kreisklinik Groß-Gerau: „Es ist wie ertrinken. Man holt Luft und es kommt nichts.” (Es gibt nichts Vergleichbares. Das ist nochmal eine Herausforderung. Wenn Sie aber merken, Sie geben alles und es hilft trotzdem nichts.“
Gegen die 2. Welle beschließen Bund und Länder ab dem 2. November den Lockdown-Light: Viele  Geschäfte müssen schließen – Die „Novemberhilfe“ soll Unternehmen unterstützen.
„Das ist unverhältnismäßig und was soll man dazu noch sagen. (…)       „Ja, es hätte vielleicht schon früher kommen können, um einiges zu verhindern.“
Ab dem 16. Dezember folgt der harte Lockdown.
Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz: „Die Zahlen sind nicht so, wie wir es haben wollen. Es darf einfach so nicht weitergehen.“
Inmitten des dunklen Corona-Winters gibt es in Mainz einen Lichtblick für die ganze Welt: Biontech hat einen wirksamen Impfstoff gegen das Virus entwickelt. Doch vorerst es gibt zu wenig Impfstoff. Mit immer neuen Maßnahmen versucht die Politik, die Pandemie einzudämmen. Frust macht sich breit, besonders bei denen, die ihre Geschäfte schließen müssen:
„Mit zwei Metern, von mir aus auch mit drei Metern Abstand – eine Familie, ein Haushalt – das geht in Ordnung!“
Nach kurzen Lockerungen wie “Click&Meet” folgt im April 2021 die dritte Welle: Da viele Ältere geimpft sind, landen nun mehr Jüngere auf den Intensivstationen – das Problem: Sie liegen viel länger dort. Die “Bundesnotbremse” mitsamt nächtlicher Ausgangssperren sollen die Zahlen drücken. Erst steigende Temperaturen und eine steigende Impfquote bringen die Wende. Doch im Sommer zeigt sich: Zu wenig Menschen wollen sich impfen lassen – als erster deutscher Gesundheitsminister bringt Clemens Hoch Vorteile für Geimpfte ins Gespräch. Trotzdem betont die Politik:
Daniel Stich (SPD), Impfkoordinator RLP, 28.06.2021: „Es wird keine Impflicht geben, aber wir wollen mehr Menschen erreichen, auch die Anreize höher machen.“
Mit einer vergleichsweise niedrigen Impfquote geht Deutschland in den zweiten Pandemie-Herbst: Dennoch werden die Impfzentren geschlossen, Tests werden kurzzeitig kostenpflichtig. Die Politik führt neue Warnstufen ein  – statt der Inzidenz jetzt die „Hospitalisierungsrate“ über Verschärfungen entscheiden. Genau diese Rate im November 2021 wieder an.
 Volker Bouffier (CDU), Ministepräsident Hessen, 23.11.2021: „Wenn wir wirklich Corona dauerhaft in den Griff kriegen wollen und uns nicht von einer Welle in die nächste entwickeln wollen, dass wir dann an einer Impfflicht nicht vorbeikommen.“
Bund und Länder beschließen, ab dem 15. März 2022 eine Impfflicht im Medizin- und Pflegebereich einzuführen. Zuletzt sorgen schlecht kommunizierte Entscheidungen der Politik bei vielen für Frust: So wird der Genesenen-Status von 6 auf 3 Monate verkürzt. Währenddessen sorgt die Omikron-Variante für die 5. Welle: Täglich infizieren sich Hunderttausende – doch sie erkranken oft nicht schwer. Folgt nun zwei Jahre nach dem ersten Lockdown der Freedom Day, ein sorgenloser Sommer – und dann ein sorgenvoller Herbst?