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Immer weniger Sozialwohnungen in Frankfurt

Feb. 23, 2022

Es ist das vielleicht brisanteste Thema in Frankfurt: Die Wohnsituation. Die Stadt droht aus allen Nähten zu platzen. Bezahlbarer Wohnraum in der Stadt wird zur Mangelware. Ein Grund des Problems: Es gibt immer weniger Sozialwohnungen. Seit dem Jahr 1990 hat sich ihre Zahl um mehr als die Hälfte reduziert – bei konstantem Bedarf. Eine problematische Entwicklung.
Christina Schlößler, Mieterin in Frankfurt
„Mein Name ist Christina Schlößler. Ich bin 61 Jahre alt. Ich wohne seit mehr als 31 Jahren hier. In einer weitestgehend rollstuhlgerechten Wohnung und möchte auch gerne hier wohnen bleiben, aber das ist jetzt etwas erschwert.“
Denn: Schlößler wohnt zwar in einer Sozialwohnung, aber die ist nach 30 Jahren aus der Mietpreisbindung herausgefallen. Das bedeutet: Der Vermieter darf die Mieten erhöhen.
Christina Schlößler, Mieterin in Frankfurt:
„Der Hausbesitzer hätte ab dem ersten Januar 2021 die Mieten erhöhen können um 15%, aber nach Verhandlungen mit der Stadt Frankfurt hat er das ein Jahr ausgesetzt, die Mieterhöhung. Und die ist aber jetzt zum 1. Januar 2022 gekommen.“
Die Waldschmidtstraße im Frankfurter Ostend. Hier im Wohnkomplex sind auf einen Schlag 350 Wohnungen aus der Preisbindung herausgefallen.
Die Anzahl an Sozialwohnungen in Frankfurt sinkt seit Jahrzehnten stetig. Gab es im Jahr 1990 noch rund 68.000 Sozialwohnungen, sank die Zahl im Jahr 2000 auf 41.324. Laut aktuellen Zahlen gibt es nur noch rund 30.000 Sozialwohnungen.
Das Angebot sinkt also. Aber der Bedarf bleibt ungefähr gleich hoch.
Das ist ein großes Problem, sagt Eyup Yilmaz, Abgeordneter der Linken im Römer.
Dabei werde in Frankfurt eigentlich viel gebaut.
Eyup Yilmaz, Die Linke, Abgeordneter Römer Frankfurt
„In den letzten fünf Jahren haben sie etwas 20.000 Wohnungen gebaut, aber nur nicht sozial und bezahlbar. Alles ist Geldanlage, alles ist Spekulation. Für die Menschen, die hier in Frankfurt leben, gibt es kaum sozial bezahlbare Wohnungen.“
Die Stadt erwidert: Wir haben eine Trendwende eingeleitet. Vor einem Jahr wurde ein Gesetz verabschiedet, das soll den Bau von Sozialwohnungen fördern.
Mark Gellert, Sprecher Baudezernat Frankfurt
„Im Baulandbeschluss schreiben wir vor, dass bei neuen Wohnbauentwicklungen 15% der entstehenden Wohnbaufläche als Sozialwohnungen entstehen müssen. Bislang konnte der seine Wirkung noch nicht erfüllen, aber wir setzen darauf, dass wir mittel- und langfristig, den Bestand an Sozialwohnungen wieder aufbauen können.“
Diese Maßnahme greift zu kurz, sagt der Verein „Mieter helfen Mietern“.
Zum einen dauere es Jahre, bis neue Wohnungen gebaut sind, und zum anderen habe die Stadt weitere Instrumente.
Conny Petzold, Vorstand „Mieter helfen Mietern Frankfurt“
„Also, sie könnte per Beschluss der Stadtverordnetenversammlung die Mieten bei der stadteigenen ABG einfach senken. Also, bei der ABG werden im Schnitt jedes Jahr 3.000 Wohnungen frei und die Regierung zusammen mit den Abgeordneten könnte beschließen, dass die frei werdenden Wohnungen zu den Mietniveaus des geförderten Wohnungsbaus weiter vermietet werden. Und zwar ausschließlich.“
Einen solchen pauschalen Beschluss wird es aber wohl nicht geben. Die Stadt setzt darauf, die Anzahl an Sozialwohnungen in den kommenden Jahren zu erhöhen. Bei dem akuten Mangel an Sozialwohnungen hilft das allerdings nicht.
Mieterin Christine Schlößler hat die erste Mieterhöhung bekommen und vermutlich werden weitere folgen. Bleibt die Frage: Wie lange kann sie sich leisten?