Ein Jahr nach dem Start des letzten Lockdowns – wie geht es den Menschen heute?
Auftritte vor Publikum – darauf mussten Simon Höneß und seine Band monatelang warten. Nach der Ankündigung eines neuen Lockdowns blieben dem solo-selbständigen Musiker aus Mainz nur Durchhalteparolen.
Simon Höneß, Pianist aus Mainz, im Oktober 2020: „Wir versuchen irgendwie über diese Zeit hinwegzukommen, denn wir wollen ja wieder.“
Der vergangene Winter-Lockdown habe ihn fast depressiv gemacht, sagt Simon Höneß heute. Mittlerweile stimmt er wieder freundlichere Töne an. Denn mit dem Ende des Lockdowns konnte der Pianist wieder das tun, was er am liebsten macht.
Simon Höneß, Pianist aus Mainz: „Als es wieder losging so im März, April mit den ersten Auftritten – das war wunderschön. Über den Sommer kamen dann auch immer mehr Buchungen rein, teilweise sehr kurzfristig, alles Privatfeiern, sodass ich jetzt positiv gestimmt bin und so kann‘s gerne weitergehen.“
Mehr als ein halbes Jahr geschlossen waren Maximilians Brauwiesen in Lahnstein bei Koblenz. Anfang des Jahres war in der Gaststätte nicht mehr möglich als ein Außer-Haus-Verkauf.
Daniela Ohlig, Maximilians Brauwiesen Lahnstein, im Januar 2021: „Das geht eigentlich primär dadrum, dass wir halt unseren Zusammenhalt hier haben und gucken, wie wir die Krise meistern.“
Wo im Januar alles leerstand, herrscht jetzt wieder Betrieb. Wegen der langen Schließung mussten die Inhaber neue Schulden machen. Noch sind die Brauwiesen nicht so gut besucht wie vor der Pandemie. Trotzdem herrscht Aufbruchsstimmung.
Daniela Ohlig, Maximilians Brauwiesen Lahnstein: „Mittlerweile ist die Gefühlslage eigentlich sehr gut. Wir haben uns mental alle sehr gut erholt. Unseren Mitarbeitern geht’s gut. Wir konnten das ganze Team halten und freuen uns eigentlich, dass die Wertschätzung von den Gästen zurückkommt, für das was wir tun und was wir vermisst haben in der Zeit.“
Von der Öffnung der Gastronomie profitiert auch Marco Sottile. Der Schausteller und Imbissbudenbetreiber aus Mainz litt letztes Jahr wie die gesamte Branche unter der Absage vieler Weihnachtsmärkte.
Marco Sottile, Schausteller aus Mainz, im November 2020: Wirtschaftlich ist es ein Desaster. Für unseren Betrieb, für die Kollegen deutschlandweit.“
Dieses Jahr wird es in Mainz wieder einen Weihnachtsmarkt geben, doch Sottiles Fahrgeschäfte stehen seit Beginn der Pandemie unberührt im Lager.
Marco Sottile, Schausteller aus Mainz: „Es ist momentan noch eingeschränkt. Aber wir hoffen natürlich auf die Weihnachtsmärkte. Und aus dem Grund sind wir vom Gemüt her sehr positiv gestimmt, dass wir wieder zurück in die Normalität kommen und unseren Job machen können, wie wir es gewohnt sind.“
Alle drei geben sich optimistisch. Doch während des zweiten Lockdowns mussten alle auch unschöne Erfahrungen machen, die nachhallen. Beim Blick in die Zukunft mischt sich unter den Optimismus auch Skepsis.
Simon Höneß, Pianist aus Mainz: „Natürlich kann mir keiner garantieren, dass die Geschäfte nicht auch nochmal rückläufig werden und es nochmal schwierig wird, aber ich hab eben jetzt für mich rausgefunden, dass ich auch in solchen Momenten Möglichkeiten finde und trotzdem bei der Lebensfreude bleibe.“
Marco Sottile, Schausteller aus Mainz: „Es gab ja in diesem Jahr noch keine Volksfeste an sich. Und das ist natürlich die Hoffnung, dass wir dorthin kommen.“
Daniela Ohlig, Maximilians Brauwiesen Lahnstein: „Langfristig beschäftigt uns natürlich wie alle Kollegen: Die Frage ist: ‚Alle wollen genießen, aber wer arbeitet noch für den Genuss?‘“
Denn in der Gastronomie herrscht Personalmangel.
Drei Schicksale, drei verschiedene Gefühlswelten. Alle drei mussten mit einer langen Krisenzeit klarkommen. Und alle drei haben ihre eigenen Lehren gezogen, aus dem zweiten Lockdown, der vor einem Jahr begann.









