Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Im Interview: Wolf Matthias Mang

Okt. 26, 2021

Wie geht es insgesamt der Wirtschaft im Land? Darüber sprechen wir jetzt mit dem Präsidenten der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände Wolf Matthias Mang.
Markus Appelmann, Moderator: Guten Tag, Herr Mang
Wolf Matthias Mang, Präsident Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände: Ja, grüß Gott!
Appelmann: In Berlin laufen derzeit die Koalitionsverhandlungen für eine Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP. Laufen die Gespräche für die hessische Wirtschaft in die richtige Richtung?
Mang: Unser Land steht vor großen Herausforderungen und da wünsche ich mir, dass in der nächsten Legislaturperiode unser Land auch den Mut aufbringt, die Chancen der Freiheit zu nutzen. Unser Land braucht wirklich weniger Bevormundung, weniger Bürokratie, weniger Regulierung. Was wir brauchen, ist Wettbewerb um die besten Lösungen. Wir brauchen eine Leistungsbereitschaft jeden Einzelnen. Und wir brauchen auch wieder die Freude an Innovation. Und wenn uns das gelingt, davon bin ich fest überzeugt, dann wird die Wirtschaft wieder wachsen.
Und wenn die Wirtschaft wächst, dann werden die Steuereinnahmen sprudeln. Und dann können wir auch die Schulden zurückzahlen, die wir jetzt zur Bewältigung der Coronalkrise gebraucht haben.
Appelmann: Die Energiepreise sind in den letzten Jahren bereits enorm gestiegen und werden auch mit der neuen Regierung sicherlich weiter steigen. Wie kommt die hessische Wirtschaft damit klar?
Mang: Na ja, wie jeder Einzelne ist natürlich die hessische Wirtschaft auch hart getroffen von steigenden Gaspreisen, steigende Strompreise, steigende Kraftstoffpreise. Aber der Staat sollte dadrauf nicht versuchen, mit einer Deckelung der Preise zu reagieren. Ich vertraue da auch den Märkten und glaube eher, dass der Staat, der ja immerhin zum Beispiel beim Strom – 50% der Stromkosten, das sind Steuern, das sind Umlagen, das sind Gebühren -, dass hier der Staat seine Einkünfte reduziert.
Es kann ja auch nicht sein, dass der Staat immer mehr Steuereinnahmen durch die steigenden Energiepreise hat, denn damit torpedieren wir die Erfolge der Wirtschaft. Und wir machen es einfach sehr sehr schwer, aus dieser Krise wieder herauszukommen.
Appelmann: Sie haben heute auf dem hessischen Unternehmertag vor Mittelmäßigkeit gewarnt, haben sich aber auch gegen Überreglementierung ausgesprochen. In welchen Bereichen machen Sie das fest? Und wie wollen Sie sich zur Wehr setzen?
Mang: Also, unser Land hat ja in der Champions League gespielt und da müssen wir wieder zurück und das bedeutet, wir brauchen eine große Leistungsbereitschaft; eine große Leistungsbereitschaft des Einzelnen und eine große Leistungsbereitschaft des gesamten Landes. Dann werden wir wieder zur alten Stärke zurückfinden.
Und davon bin ich überzeugt: Die soziale Marktwirtschaft, die wird auch weiterhin ein gutes und festes und richtiges Fundament für unser Land sein. Aber die soziale Marktwirtschaft bedeutet eben auch eine starke Marktwirtschaft, denn nur dann kann sie auch eine soziale sein.
Appelmann: Jetzt noch eine Frage, die die Verbraucher stark interessiert. Durch die Corona-Pandemie gibt es immer mehr Lieferprobleme, zum Beispiel von gewissen Bauteilen. Das führt zu einem knapperen Angebot. Was kommt da in den nächsten Wochen auf die Verbraucher zu?
Mang: Also, ich weiß nicht, wie es Ihnen ergangen ist, aber als ich das Containerschiff quer im Suezkanal gesehen habe, da dachte ich mir: Wie konnte das passieren, warum hat da keiner aufgepasst? Aber was ich noch nicht gleich verstanden habe, was für Folgen das für unsere Lieferkette haben wird.
Es können deshalb sehr sehr viele Containerschiffe eben nicht den Suezkanal passieren und sind deshalb auch zum Teil bis heute noch nicht entladen. Und wo Containerschiffe nicht entladen werden, können sie natürlich auch nicht mit neuer Ware beladen werden. Das führt zu Verknappung natürlich von einer Vielzahl von Produkten.
Ganz besonders betroffen sind natürlich Computerchips. Computerchips – in meiner Kaffeemaschine zu Hause sind schon jede Menge Computerchips, wo man sich manchmal fragt: Warum eigentlich?
Aber auf alle Fälle ist es so, dass natürlich in der Automobilindustrie heute eine Vielzahl von Computerchips fehlt. Und dadurch natürlich die Lieferkette gestört ist. Ich glaube, es wird sich auch noch hineinziehen bis in das erste, zweite Quartal 2022. Aber ich glaube, wir können sicher sein, die Regale werden auch zur Weihnachtszeit gefüllt sein.
Appelmann: Danke an Wolf Matthias Mang, der Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände.
Mang: Ich danke Ihnen.