Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Corona-Impfung auf Schienen

Okt. 25, 2021

Auch wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits von einer Beendigung der „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ spricht, so ist die Situation dennoch angespannt. Impfen ist für die Experten immer noch das Gebot der Stunde. In Frankfurt setzt man nun auf neue Ideen, um die Impfkampagne zu befeuern: den „Impf-Express“. Zwei Straßenbahnen, in denen man ganz einfach den Pieks und obendrauf eine kostenlose Fahrt bekommt.
Heute Vormittag im Frankfurter Stadtteil Gallus: Fast pünktlich fährt der Impf-Express Nummer 1 vor. Einfach zusteigen, ein kurzes Gespräch mit den Mitarbeitern des Roten Kreuzes und schon geht’s weiter zur provisorischen Impfkabine.
Amrei Dittmann ist für eine Auffrischungsimpfung gekommen, sie wurde ursprünglich mit Johnson & Johnson geimpft. Den Pieks gibt’s aus Sicherheitsgründen nur in dem Moment, wenn die Bahn an einer Haltestelle steht. Ein ungewöhnlicher Ort für die Spritze, für die 32-jährige Friseurmeisterin aber sehr praktisch.
Amrei Dittmann, Friseurmeisterin
„Weil: Einfacher geht’s nicht. Man steigt in die Straßenbahn ein, steigt an der Zielhaltestelle, an die man möchte, wieder aus und hat gleichzeitig die Impfung.“
Sich auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen mal eben so impfen lassen. Für die kommenden zwei Wochen fahren zwei speziell umgerüstete Straßenbahnen auf zwei Extra-Linien quer durch Frankfurt. Wer spontan keinen Impfpass einstecken hat, bekommt einfach einen neuen. Auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren können sich hier impfen lassen.
Aber kann der Impf-Express in Zeiten von rückläufigen Impfzahlen tatsächlich eine Trendwende schaffen? Die Stadt Frankfurt zumindest hat auch jene im Visier, die nicht gleich einsteigen.
Stefan Majer, Bündnis 90 / Die Grünen, Dezernent Mobilität und Gesundheit
„Auch wenn die Leute nur aufgrund von den Werbeflächen denken: Oh ja, ich lasse mich impfen! Auch der Werbeeffekt erreicht die Leute. Deswegen zielen wir nicht nur auf die Leute, die mitfahren.“
Andere Frankfurter scheinen noch etwas unschlüssig zu sein, ob die Idee mit dem Impfzentrum auf Schienen tatsächlich etwas bringt.
Aaron Brodman:
„Also, ich denke, die Leute, die sich wirklich nicht impfen lassen wollen, die werden sich durch diese Methode auch nicht überreden oder überzeugen lassen können. Allerdings – Leute, die damit vielleicht bisher noch nicht in Kontakt gekommen sind, denen kann man’s dadurch zumindest nahelegen.“
Hadia Köhler:
„Das ist doch gleich, ob beim Arzt oder so. Es gibt’s ja auch überall, wo man sich testen lassen kann – warum also nicht auch impfen?“
Die Stadt Frankfurt hofft jedenfalls, jeden Tag bis zu 100 Bahnfahrende impfen zu können.
Amrei Dittmann war heute Vormittag eine der ersten. Sie hat nun ihren heißersehnten zweiten Stempel im Impfpass, in einem Impfzentrum der etwas anderen Art.